Nach Rückzug des Polizeichefs von Ferguson
Schüsse und Verletzte bei Demonstrationen vor Polizeiwache

Nach der Rücktrittsankündigung des Polizeichefs Thomas Jackson kommt es in Ferguson bei Protesten erneut zur blutigen Konfrontation zwischen Polizei und Bürgern. Die Diskussion um Polizeigewalt scheint nicht beendet.
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FergusonBei einer Demonstration in der US-Kleinstadt Ferguson sind einem Medienbericht zufolge in der Nacht zum Donnerstag zwei Polizisten angeschossen worden. Am Mittwochabend waren etwa 150 Demonstranten vor die Polizeizentrale gezogen, um den Rücktritt von Polizeichef Thomas Jackson zu feiern. Sie trafen dort auf Polizisten in Kampfausrüstung, die das Gebäude abgeriegelt hatten. Es fielen laut Augenzeugen zwei bis vier Schüsse. Die beiden Polizisten im Alter von 32 und 41 Jahren seien schwer verletzt, aber bei Bewusstsein in ein Krankenhaus gebracht worden, sagte der Polizeichef von St. Louis, Jon Belmar. Dem jüngeren Polizisten sei ins Gesicht geschossen worden, dem älteren in die Schulter.

Belmar sagte, er wisse nicht, wer geschossen habe. Er könne auch keine Beschreibung der Verdächtigen oder der Waffe geben. Seine Vermutung sei, dass die Schüsse gezielt auf seine Beamten abgegeben worden seien. Das legten der Standort der Beamten und die Flugbahn der Projektile nahe. Die Zeitung „The St. Louis Post-Dispatch“ berichtete, dass die Menge im Begriff war, sich aufzulösen, als die Schüsse fielen. Einige Protestler seien zu Boden gefallen, andere weggerannt. Im Anschluss hätten viele Polizisten das Gebäude umstellt. Jackson war der sechste Angestellte, der im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines Berichts des Justizministeriums zurücktrat oder gefeuert wurde. In dem Report waren Fälle von Rassismus und Versäumnisse bei der Polizei von Ferguson aufgedeckt worden.

Die Demonstrationen stehen klar im Zusammenhang mit dem Rücktritt des Polizeichefs von Ferguson Thomas Jackson. Dieser hatte als Reaktion auf einen Bericht des US-Justizministeriums über die systematische Schikanierung von Afroamerikanern in der 21.000-Einwohner-Stadt am Mittwoch angekündigt, sein Amt am 19. März niederlegen zu wollen. Einen Tag zuvor hatte bereits Verwaltungschef John Shaw die Konsequenz aus den schweren Vorwürfen gezogen.

Bürgermeister James Knowles sagte am Dienstag, der Schritt Jacksons sei eine „gemeinsame Entscheidung“ der Polizei und der Stadt.

Jackson war bereits nach den Todesschüssen auf den schwarzen Jugendlichen Michael Brown im Sommer 2014 schwer in die Kritik geraten. Die Schüsse des weißen Polizisten auf den unbewaffneten Teenager lösten damals landesweite Empörung und Unruhen in Ferguson aus. Wegen massiver Gewalt, mit der die Polizei gegen die Demonstranten vorging, geriet Jackson zusätzlich in die Kritik. Einen Rücktritt lehnte er aber stets ab. Jackson war fünf Jahre im Amt.

Auslöser seiner Entscheidung dürften daher eher die jüngste Kritik des Justizministeriums sein: In einem ausführlichen Bericht hielt das Ministerium der Polizei weit verbreitete rassistische Diskriminierung vor. Polizisten gingen häufig mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Schwarze vor, hielten diese ohne ersichtlichen Grund an und verfolgten sie wegen Bagatelldelikten.

Außerdem würden Schwarze besonders übermäßig häufig mit Geldstrafen belegt - mit dem Ziel, die Kassen der Stadt aufzufüllen. Justizminister Eric Holder stellte den Bericht vor einer Woche persönlich vor und sprach von einer „schwer vergifteten Atmosphäre“ in der Stadt. Sein Fazit: Das Verhältnis der Polizei zu den Menschen in Ferguson sei „von tiefem Misstrauen und Feindschaft“ geprägt.

Auch der Verwaltungschef von Ferguson, John Shaw, werde sein Amt abgeben, berichtete die „St. Louis Post-Dispatch“. Als „City Manager“ war Shaw weitgehend für die Finanzen verantwortlich - und damit auch für den Missbrauch von Geldstrafen. Auch ein Richter und Polizeioffiziere hätten bereits ihren Rücktritt eingereicht, hieß es.

Ob die Stadt durch diese Rücktritte allerdings tatsächlich zur Ruhe kommt, ist unklar. Kritiker fordern, dass die gesamte Polizei des Vorortes von St Louis aufgelöst werden solle. Die Behörde solle von der Polizeidirektion in St. Louis übernommen werden, die bereits die Polizeiämter auch anderer Vororte mit verwalte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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