Nach Saddams Tod
Empörung, Wut und Schweigen in arabischer Welt

Die Exekution des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein hat in einigen Teilen der arabischen Welt Wut und Empörung ausgelöst. Die meisten Länder schwiegen jedoch zunächst.

HB KAIRO. Entrüstung herrschte vor allem darüber, dass Saddam zu Beginn des islamischen Opferfestes Eid Al-Adha durch den Strang starb. In Saudi-Arabien kritisierte ein Kommentator der Staatsagentur SAP, der Prozess sei politisch gewesen, die Vorwürfe seien nicht ausreichend untersucht worden. In Saudi-Arabien befinden sich die heiligen Stätten Mekka und Medina, an denen am Samstag knapp drei Millionen Gläubige auf Pilgerfahrt waren.

Die in den Palästinensergebieten regierende radikal-islamische Hamas-Bewegung verdammte die Urteilsvollstreckung als „verbrecherisches politisches Attentat“ auf Saddam. „Der Zeitpunkt der Hinrichtung wurde absichtlich gewählt, um Arabern und Muslimen zu schaden“, erklärte die Organisation. Das palästinensische Parlament sprach am Sonntag von einem „schrecklichen Verbrechen“.

Fotostrecke: Saddams Exekution

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas äußerte sich nicht. Mitglieder verschiedener palästinensischer Fraktionen errichteten im Gazastreifen mehrere Trauerzelte für Saddam. Für die Palästinenser galt der Ex-Diktator seit dem Golfkrieg von 1991 als Volksheld, weil er damals Israel mit zahlreichen Scud-Raketen angegriffen hatte.

Das ägyptische Außenministerium kritisierte ebenfalls den Zeitpunkt der Hinrichtung. Die Gefühle der Muslime während der derzeitigen Pilgerfahrt, „die einen Moment der Vergebung“ darstelle, seien nicht berücksichtigt worden.

Libyen ordnete am Samstag eine dreitätige Staatstrauer für den hingerichteten „Kriegsgefangenen Saddam Hussein“ an. Die grüne libysche Nationalflagge wurde auf Halbmast gesetzt, alle geplanten Feste und Feierlichkeiten wurden abgesagt, wie die staatliche Nachrichtenagentur JANA berichtete.

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