Nach Samaras-Besuch

Eiszeit zwischen Berlin und Athen vorbei

Guter Anfang, aber mehr auch nicht. Merkel und Hollande haben den griechischen Premier Samaras immerhin angehört, ihm aber keinen Schuldenaufschub zugesagt. Die griechische Opposition bemäkelt das Ergebnis.
10 Kommentare
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras. Quelle: dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras.

(Foto: dapd)

AthenDie griechische Presse hat am Wochenende eine mehrheitlich positive Bilanz der Reise des Ministerpräsidenten Antonis Samaras nach Berlin und Paris gezogen. Sie stellt jedoch klar, dass es bei der Herkules-Aufgabe, Griechenland in letzter Minute vom Euro-Tod zu bewahren, jetzt erst richtig los gehe. Erheblich kritischer werten die Oppositionsparteien die Reise.

„Macht (eure Aufgaben) und dann werden wir weiter reden“, habe Bundeskanzlerin Angela Merkel Samaras gesagt, titelte die Sonntagszeitung „To Vima“. Samaras habe alle mit dem Eingeständnis seines Fehlers überrascht, als Oppositionspolitiker den Sparpakt abgelehnt zu haben. Zudem sei er nicht als Bittsteller aufgetreten. Griechenland werde alle Schulden zurückzahlen. Jetzt sei wichtig, dass Opposition und Gewerkschaften nicht mit Streiks und sozialen Unruhen alles zunichte machten, meint „To Vima“.

Die konservative Zeitung „Kathimerini“ stellt die Bürger auf weitere Opfer ein. Die Belastungen würden hart und würden bald kommen. „Alle Maßnahmen bis Oktober - Samaras ist entschlossen“, titelt das Blatt.

Bereits am Samstag hatte die Presse auf den Besuch in Berlin positiv reagiert. „Guter Anfang - Das Eis ist gebrochen“, titelte die Athener Zeitung der politischen Mitte „Ta Nea“. Berlin und Athen hätten zumindest über alle Fragen gesprochen. Die konservative „Kathimerini“ analysierte: „Es gibt nun einen Spalt in der Berliner Mauer.“ Jetzt seien mutige Taten „dringend notwendig“ wie die Schließung oder der Verkauf eines großen defizitären Staatskonzerns.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Freitag in Berlin Ministerpräsident Antonis Samaras zugesichert, Deutschland wolle Griechenland im Euro-Raum behalten. Sie zeigte sich überzeugt, dass Samaras die Probleme lösen woll. Konkrete Hilfen oder einen Aufschub für Athen sagte sie aber nicht zu. Stattdessen forderte Merkel, Griechenland müsse den Worten nun Taten folgen lassen. Ähnlich - wenn auch nach Einschätzung des griechischen Fernsehens in einer etwas herzlicheren Atmosphäre - verliefen die Gespräche mit dem französischen Präsidenten François Hollande in Paris.

Bei den rechten und linken griechischen Oppositionsparteien stieß der Rundgang Berlin-Paris auf Kritik. „Der Ministerpräsident gibt alles und bekommt dafür nichts“, erklärte das Linksbündnis Syriza. Die rechten Unabhängigen Griechen warfen Samaras vor, nicht nachdrücklich genug für eine Fristverlängerung eingetreten zu sein. Die rechtsradikale Goldene Morgenröte kritisierte, Merkel agiere wie eine „Zinswucherin“ und Samaras schweige zu den Tausenden Griechen, die aus Verzweiflung den Tod suchten. Die Kommunistische Partei rief gar zum Aufstand auf.

Die Oppositionspresse schloss sich der Kritik an. Ganz auf Parteilinie meinte die Syriza-Zeitung „Avgi“: „Samaras hat alles gegeben und nichts bekommen.“ Merkel habe nur „Mitleid mit der Bevölkerung“ gezeigt und danach die Fortsetzung des Sparprogramms gefordert. Die kommunistische „Rizospastis“ propagierte - wie zuvor die Parteiführung - den „Aufstand“ gegen den Sparpakt und rief am Sonntag zu einem „Generalstreik“ in den kommenden Wochen auf.


  • dpa
Startseite

10 Kommentare zu "Nach Samaras-Besuch: Eiszeit zwischen Berlin und Athen vorbei"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • eiszeit vorbei? ganz klar. der euro ist geschichte.

    Würde der griechische Staat (und damit meine ich nicht die korrupten Politiker)), wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und die Griechen bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen. Vor allem hätten sie dann KEINE SCHULDEN mehr.

    Ihr GANZES Leben würde dann nicht von der korrupten Politik, und schon gar nicht mehr von den korrupten Notenbanken bestimmt. Das einzigartige Betrugssysten hätte endlich ein Ende und die Krise wäre vorbei.

  • Lieber Delinix,
    welche Umfragen haben ergeben, dass die Deutschen einen Austritt wünschen? Und woher hat die Masse der Deutschen denn ihre Meinung? Sicher ist nur, dass man mit den Massenmedien vorsichtig umgehen muss. Der Wahrheitsgehalt von Meldungen ist oftmals gering, aber im Zweifelsfall traue ich persönlich eher der ARD als der BILD, die sicher für den größten Teil der Antigriechenstimmung verantwortlich ist.

  • was die welt zusammenhält, ist eben nicht nur geld. am deutschen wesen soll die welt nicht noch einmal genesen. söder & co: bitte den mund halten, und geschichtsbücher lesen. deutschland verdankt den griechen viel, zuallerst die demokratie. auf nach griechenland, die sonne auf- und untergehen sehen, frische apfelsinen vom baum und mit mikis einen ouzo - was trinkst du so?

  • KarmaA
    dem möchte ich mich anschließen.
    Was Merkel und Hollande da tun, mit dem ständigen die Griechen sollen im Euro bleiben, it zynisch.
    Den Griechen kann nur geholfen werden, wenn sie zur Drachme zurückkehren und so die Möglichkeit der Abwertung haben
    Frau Merkel verlängert ds Leiden der Griechen und das ist zynisch und man muß sich die Frage stellen, warum sie das tut und wer davon profitiert

  • wenn die Bundesregierung auch nur noch einen (1) Cent in die Rettung Griechenlands verpulvert, werde ich bei der nächsten Bundestagswahl (August 2013; nachdem ich 40 Jahre CDU gewählt habe) alternativlos NPD wählen und es braucht sich dann niemand zu wundern

  • Zur ARD: Ich habe seit über 15 Jahren keinen Fernseher mehr. Es war schon damals unerträglich, die systemgesteuerten Halbwahrheiten und Lügen ertragen zu müssen, die dem Niveau der "Aktuellen Kamera" in nichts zurückstand. Dass sich Deutsche Abend für Abend Schmierenkommödianten wie Kleber, Slomka, oder Gerster antun, kann ich nicht nachvollziehen. Warum wohl wurde der stromlinienförmige Seibert zum Regierungslügner auserkoren?

    Zudem sei er nicht als Bittsteller aufgetreten. Griechenland werde alle Schulden zurückzahlen.
    ---------------------------------------------------------
    Nein, er ist nicht als Bittsteller aufgetreten, er hat sich wie ein südländischer Bettler auf den roten Teppichen ggewunden und gedreht. Schulden zurückzahlen: Lächerlich, wann hätten Griechen jemals in ihrer Geschichte etwas zurückgezahlt. Den Geschenken der Danaer (Hellenen) hat man schon im Altertum nicht getraut. Und deren byzantinische Unzuverlässigkeit, Anmaßung und Realitätsverdrängung sollte ausgerechnet im Jahre Domini 2012 zu Ende gehen?!

  • Schön das zu lesen. Ich habe die Verabschiedung des Griechen von Hollande anders gesehen. Das was ich an Höflichkeit gesehen habe war, dass Hollandes ihn zum Auto gebracht hat. Er hat noch nicht einmal abgewartet bis sein Gast ins Autu eingestiegen war.

    Er hat ihn quasi vom Hof gejagt - so kam es mir jedenfalls vor. Aber es wäre schön, wenn ich mich irren würde.

    In der Sache hat Hollande recht. Man soll sich dessen bewusst sein, dass die Europäer und nicht die Griechen in Vrlage gegangen sind. Ohne ein hartes Durchgreifen wird man Griechenland nie disziplinieren können. Wenn eines nicht entstehen darf, dann ist es, dass Griechenland keinen Rechtsanspruch auf seine staatliche Desorganisation herleiten darf.

    Substantiell sind nach wie vor die "gleichen" Grechen an der Macht geblieben und es ist eine innere Angelegenheit der Griechen ihre Politiker zur Verantwortung zu ziehen.

  • Na bitte geht doch,
    auch die Griechen beweisen wieder ihr Einsichtigkeit und sind weiterhin glücklich, bald ein ehrenhaftes, rechtschaffendes Leben zu haben.

    Ich sehe glückliche Griechen, die ihren Esel zum Acker treiben und glückliche, stolze griechische Fischer, die mit ihren Paddelbooten zum Fischfang auslaufen.

    Gebt den Griechen ihre Drachme und ihren Stolz zurück

  • wenn die GR noch viel palöaver machn können sie sich der Türkei anschliessen

  • Wie kann das bloß angehen.
    Nichts hat sich an der griechischen Politik geändert.
    Ob die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden können, ist genauso fraglich wie vorher. Denn die Opposition, vor allem die Macht der Gewerkschaften, ist groß. Dies zeigt ja auch der vorliegende Artikel deutlich.
    Die Umfragen in Deutschland ergaben, dass die Deutschen mehrheitlich ein Ende der Hilfspolitik sowie den Austritt der Griechen aus dem Euro wünschen. Die Unions- und FDP-Politiker haben – angeblich, wie man auch aus diesem Artikel erkennen kann – dem Samaras auch kein Entgegenkommen gezeigt.
    Und nun kommt die ARD und erzählt uns, dass die Deutschen auf einmal NICHT mehr mehrheitlich den Austritt möchten.
    Nun möchten sie plötzlich, dass Griechenland im Euro bleibt. (??)
    Woher will die ARD das wissen?
    Welche Umfrage hat dies ergeben?
    Das riecht nach kräftiger Manipulation.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%