Nach Selbstmordanschlag
Israel sieht „Weltkrieg des 21. Jahrhunderts“

Nach dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv, bei dem am Ostermontag zehn Menschen starben, hat Israel eine neue „Achse des Terrors“ ausgemacht. Die Regierung nennt namentlich drei Hauptfeinde. Das israelische Militär drängt nun darauf, die neue Palästinenser-Regierung attackieren zu dürfen.

HB NEW YORK/JERUSALEM/GAZA. Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman sagte am Montag im UN-Sicherheitsrat in New York, die palästinensische Regierung sowie Syrien und der Iran säten „die Saat für den ersten Weltkrieg des 21. Jahrhunderts“. Der Diplomat rief die Staatengemeinschaft und den Sicherheitsrat zu raschen Maßnahmen auf, um die Gewalt gegen Israel zu stoppen.

Der palästinensische Beobachter bei den Vereinten Nationen, Rijad Mansur, verurteilte den Anschlag von Tel Aviv. Zugleich warf er Israel jedoch vor, mit seinen jüngsten Militäraktionen gegen die Palästinenser internationales Recht zu verletzen. Bei den Einsätzen wurden vom 7. bis 9. April ingesamt 21 Palästinenser getötet.

Attentäter sprengte sich vor Schnellimbiss in die Luft

Bei dem ersten schweren Selbstmordanschlag in Israel seit der Regierungsübernahme durch die radikal-islamische Hamas in den Palästinensergebieten waren am Ostermontag zehn Menschen getötet worden. Der palästinensische Selbstmordattentäter hatte sich an einem Schnellimbiss in Tel Aviv in die Luft gesprengt und neun Menschen mit in den Tod gerissen. Israelische Medien berichteten, mehr als 60 Menschen seien bei dem Anschlag verletzt worden, einige davon schwer.

Nach Informationen aus israelischen Regierungskreisen drängt die Militärführung des Landes nun darauf, politische Vertreter der militanten Hamas-Bewegung anzugreifen, die die neue palästinensische Regierung stellt. Ministerpräsident Ehud Olmert habe für Dienstag ein Treffen mit seinen Beratern zu diesem Thema einberufen, hieß es. Vertreter des Außenministeriums dürften Olmert allerdings zu einer gemäßigteren Reaktion drängen, um die maßgeblich von den USA betriebene Isolierung der Hamas nicht zu gefährden.

„Widerstand gegen die israelische Besatzung“

Ein Sprecher der Hamas-Regierung hatte den Terrorakt als legitime Antwort auf die israelische Politik bezeichnet. Solche Anschläge seien Widerstand gegen die israelische Besatzung und gehörten zum Recht des palästinensischen Volkes. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Tat hingegen als Terror.

Die US-Regierung nannte den Selbstmordanschlag eine „verabscheuungswürdige Tat, für die es keine Entschuldigung oder Rechtfertigung geben kann“. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief die palästinensische Regierung nachdrücklich dazu auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen, „terroristische Gruppen zu entwaffnen und terroristische Infrastruktur zu zerstören“. Steinmeier rief alle Seiten zur „Mäßigung“ auf. „Das Kalkül der Terroristen darf nicht aufgehen.“

Offenbar als Reaktion auf den Anschlag feuerte die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag eine Rakete auf ein Ziel in der Stadt Gaza ab. Dabei wurde nach palästinensischen Angaben eine Metallwerkstatt beschädigt. Verletzt wurde niemand. Der Angriff galt nach israelischen Militärangaben einem Gebäude der militanten Volkswiderstandskomitees (PRC), in dem Raketen hergestellt wurden. In den vergangenen Tagen war es wiederholt zu ähnlichen Luftangriffen gekommen.

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