Nach Senatsabstimmung
Grillo greift seine Parteifreunde an

Beppe Grillo hat nach der Senatsabstimmung seine Parteifreunde scharf kritisiert. Der Vorwurf: Die „Fünf-Sterne“-Mitglieder hätten nicht so abgestimmt, wie vorher vereinbart. Doch die haben ihren eigenen Kopf.
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RomNach der Wahl des italienischen Senatspräsidenten hat der Chef der italienischen Protestbewegung „Fünf Sterne", Beppe Grillo, schwere Kritik an den eigenen Reihen geübt. Er forderte am Sonntag seine Parteifreunde auf, offenzulegen wie sie abgestimmt hatten und gegebenenfalls zurückzutreten.

Aus der geheimen Wahl am Samstagabend war ein Vertreter des Mitte-Links-Lagers offenbar nur mit Hilfe von Stimmen aus der Grillo-Partei als Sieger hervorgegangen. Die „Fünf Sterne"-Mitglieder hätten jedoch die Anweisung gehabt, einen leeren Wahlzettel abzugeben, erklärte der Komiker in seinem Internet-Blog. „Wenn jemand dieser Verpflichtung nicht nachgekommen ist, hat er den Wähler belogen und ich hoffe, dass die nötigen Konsequenzen gezogen werden."

Aus der Parlamentswahl war Ende Februar kein Lager als klarer Sieger hervorgegangen. Zwar konnte sich das Mitte-Links-Bündnis die Mehrheit im Abgeordnetenhaus sichern. Im Senat bekamen Bersani und seine Verbündeten dagegen nicht ausreichend Mandate für eine Kontrolle der gleichberechtigten zweiten Kammer zusammen.

Deswegen kam die Wahl des Anti-Mafia-Richters Pietro Grasso vom Mitte-Links-Bündnis überraschend. Grillo hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, mit den etablierten Parteien keine Allianzen zu bilden. Die Abstimmung am Samstag galt als Test, wie diszipliniert sich die Anhänger und Senatoren aus der Bewegung des Komikers an dessen Vorgaben halten.

Der „Fünf Sterne"-Fraktionschef im Senat, Luis Alberto Orellana, sagte der Zeitung „La Stampa": „Wir werden nicht von einer Fernbedienung gesteuert. Jeder von uns hat seine eigenen Empfindlichkeiten, sein eigenes Gewissen und Pietro Grasso ist sicherlich nicht Teil des alten Apparats." Grasso hat sich vor allem einen Namen mit seinem Kampf gegen die Mafia in Palermo gemacht.

Mit einem nur wenige Punkte umfassenden Programm will der italienische Linken-Chef Pier Luigi Bersani das Patt im Parlament auflösen und eine neue Regierung bilden. Er wolle in Abgeordnetenkammer und Senat um Unterstützung für seine Vorschläge gegen die Arbeitslosigkeit und die Korruption werben, sagte Bersani am Sonntag. Seine Mitte-Links-Allianz hatte die Parlamentswahl im Februar mit hauchdünnem Vorsprung gewonnen, aber die Mehrheit im Senat verfehlt.

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  • Natürlich ist Krieg keine Option.
    Allerdings zeigt uns die Geschichte immer wieder, Menschen wurden ständig durch Intrigen und Lügen in den Krieg getrieben. Wird das Essen knapp, beginnt der Selbstläufer. Ein Krieg ist dann nicht mehr zu verhindern. Besorge Essen für deine Familie oder sie wird verhungern.

    Ein Problem ist, die Menschen wurden zu lange von Politikern angelogen. Das schürt unendlichen Zorn, der vom Unterbewusstsein förmlich nach oben schießt. Die psychische Entspannung erfolgt in aggressiver oder entschlossener unkontrollierbarer Form. Siehe den Zusammenbruch in der DDR. Erst staute sich die Wut auf, dann geschah alles sehr schnell und war nicht mehr zu stoppen. Von niemandem. Genau das geschieht mit dem Euro. Der Euro treibt die Menschen gegeneinander. Auch hier sehen wir, wie sich die Lage mehr und mehr zuspitzt.

    Politiker lügen und intrigieren was das Zeug hält. Der Euro muss umgehend weg, sonst ist es um den Frieden in Europa geschehen. Mit dem Euro wird die Wirtschaft in den südlichen Ländern wie Spanien, Griechenland, Zypern, Portugal, Italien und Frankreich weiterhin einbrechen. Die Unruhen nehmen permanent zu. Unter dem Euro kann keine wirtschaftliche Besserung erfolgen. Das ist ein ökonomisches Gesetz, das nicht lügt.

  • Es ist schon erstaunlich, wie wenig Wissen über die zypriotischen Banken und deren Fehlspekulationen und Schwarzgeldanlagen in den Kommentaren durchschimmert. Ich würde mir mehr Sachkunde und weniger undifferenzierte Polemik wünschen.

  • Keiner ha was kapiert. Einige GRILLO-Anhänger, die vor den Wahlen die Klappe gegen alles aufgemacht haben, ziehen es jetzt vor, doch eine Regierung mit der Mitte-Links- Koalition zu vereinbaren. Warum?... Weil so ihnen im Senat oder im Parlament ein Monatsgehalt von 11500 EURO zuwinkt. Andernfalls finden Neuwahlen statt und dieser Gold-job könnte ihnen entgehen wenn sie nicht mehr wiedergewählt werden. Das schmutzige Geld macht den Menschen zu einem "falschen Schwein".

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