Nach serbischen Kosovo-Protesten
Toter in Belgrader US-Botschaft gefunden

Im Anschluss an eine Großkundgebung gegen die Unabhängigkeit des Kosovo haben Demonstranten in Belgrad die US-Boschaft in Brand gesteckt. Nach dem Feuer wurde eine verkohlte Leiche gefunden – um wen es sich dabei handelt, ist noch unklar. Auch andere Auslandsvertretungen wurden angegriffen.

HB BELGRAD. An der deutschen Botschaft entstand Sachschaden. 150 Menschen wurden bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten verletzt. Auf Antrag der USA kam der UN-Sicherheitsrat zusammen und verurteilte die Übergriffe scharf. Serbiens Außenminister Vuk Jeremic sprach von nicht akzeptablen Übergriffen durch Extremisten.

Zunächst hatten am Donnerstag bei der größten Demonstration in Serbien seit dem Sturz von Machthaber Slobodan Milosevic vor gut sieben Jahren rund 200 000 Menschen eher friedlich gegen die Unabhängigkeit des Kosovos protestiert. Sie waren aus allen Landesteilen nach Belgrad gekommen und machten ihrem Zorn über die Abspaltung Luft, die von vielen EU-Staaten unterstützt wird.

Im Anschluss an die Proteste drangen aufgebrachte Serben in die geschlossene US-Vertretung ein, legten Feuer und holten das Sternenbanner herunter. Bewaffnet mit Stöcken und Stahlstangen rissen die Demonstranten die Gitter von den Fenstern der leeren US-Botschaft. Während etwa 1000 Zuschauer „Serbien, Serbien“ skandierten, warfen sie Möbel und Papiere aus den Fenstern und hissten kurzzeitig die serbische Fahne. Nach einer halben Stunde rückten etwa 200 Polizisten an und trieben die Menge mit Schlagstöcken und Tränengas auseinander.

Im Anschluss wurde in der Botschaft nach US-Angaben eine verkohlte Leiche gefunden. Über die Identität des Toten gab es zunächst keine Klarheit. Nach US-Angaben war das gesamte US-Personal der Botschaft in Sicherheit. Ob dies auch für Mitarbeiter galt, die keine US-Bürger sind, war unklar. Der Sprecher der US-Botschaft sagte dem Sender CNN, bei dem Toten könnte es sich um einen Teilnehmer der Kundgebung handeln. „Es sieht so aus, als ob es ein Demonstrant ist, der vom Feuer eingeschlossen wurde.“

Auch die Vertretungen von Deutschland, Großbritannien und Kroatien wurden angegriffen. Örtliche Medien sprachen zudem von den Vertretungen Bosniens und der Türkei als Ziel von Protesten. Auch ausländische Banken und Filialen von McDonald's sollen betroffen gewesen sein.

Der UN-Sicherheitsrat in New York kam noch am Abend zusammen und verurteilte die Übergriffe. Diplomatische Vertretungen seien internationalen Vereinbarungen zufolge unantastbar, hieß es. Die Bemühungen serbischer Sicherheitskräfte zur Wiederherstellung der Ordnung würden allerdings gewürdigt.

Serbiens Außenminister Jeremic sagte Reuters, die Übergriffe seien bedauerlich. „Sie schädigen das Ansehen Serbiens im Ausland, sie spiegeln nicht das kollektive Gefühl des serbischen Volkes wider.“ Es habe sich offensichtlich um „organisierte Gruppen von Vandalen“ gehandelt. Allerdings stehe Serbien derzeit unter Spannung. „Die Atmosphäre ist kurz vor dem Überkochen.“ Das Volk sei mit dem Verlust einer Provinz konfrontiert, die es als Wiege der Nation ansehe.

Die bislang serbische Provinz Kosovo hatte sich am Sonntag einseitig für unabhängig erklärt. Die Regierung in Belgrad, ihr Verbündeter Russland und auch mehrere andere Staaten lehnen das ab. Sie sehen in der Abspaltung ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Die USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und mehrere andere Länder haben den neuen Staat indes anerkannt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%