Nach Strauss-Kahn-Rücktritt
Türkei rüttelt an EU-Vorrecht auf IWF-Chefposten

Für die Europäer steht fest: neuer IWF-Chef soll wieder ein Europäer werden. Doch die Schwellenländer stellen sich quer und pochen darauf, erstmals aus ihren Reihen den Chef der mächtigen Finanzinstitution zu stellen.
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Batman/Brüssel/BerlinDie Türkei macht massiv Front gegen europäische Überlegungen den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) wieder mit einem Europäer zu besetzen. "Europa ernennt den Chef des Internationalen Währungsfonds. Das muss sich ändern", sagte Finanzminister Mehmet Simsek am Donnerstag in Batman. "Die Schwerkraft der Welt verschiebt sich vom Westen in den Osten." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die EU-Kommission hatten sich zuvor bereits für eine europäische Lösung stark gemacht.

In der Debatte über die Nachfolge des zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn wird auch der Türke Kemal Dervis genannt. Dervis ist derzeit Vizepräsident der Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution.

Simsek hatte sich zuletzt offensiv selbst als Nachfolger von Strauss-Kahn ins Gespräch gebracht. "Wenn ein Türke Chef des IWF würde, wäre das die natürliche Wahl", hatte der 44-Jährige in einem Interview mit dem Fernsehsender Kanal 24 erklärt. "Ich habe überhaupt keine Defizite in den Bereichen Erfahrung oder Expertise", fügte er ohne falsche Bescheidenheit hinzu.

Die Türkei ist mit ihrer Haltung nicht allein. Auch aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien pochen darauf, dass erstmals ein Vertreter eines Schwellenlandes die Führung des IWF übernimmt. Seit der IWF-Reform im vergangenen Herbst haben Schwellenländer aufgrund ihres gestiegenen Gewichts in der Weltwirtschaft mehr Einfluss beim Währungsfonds.

Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums in Peking sagte mit Blick auf den IWF-Chefposten, es sollten die Grundsätze der "Gerechtigkeit, Transparenz und Leistung" gelten. "Grundsätzlich glauben wir, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer in den Spitzenpositionen vertreten sein sollten."

Der IWF ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der Währungsfonds eine wichtige Rolle.

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  • "...nichtislamistische Europa von innen zu zersetzen"..wie kann ein Mensch den so dumm sein ?

    Ihr bzw Eure Regierenden zersetzen und ruinieren Europa, ist dir das immer noch nicht klar..Wach endlichmal Auf!

    Der türkische Finanzminister wollte nur damit sagen das der Zeitpunkt gekommen ist, den IWF Chef aus dem Emerging Markets Staaten zu Ernenen und er steht damit nicht alleine dar...Brasilien, China u.a sind auch für einen Kandidaten aus dem Emerging Markets Staaten.

    Ich glaube..Du und viele andere haben hier komplexe, was Türkei betrifft. Was hat den die Religion mit der Finanzwelt zutun, wenn du so denkst.. dann darfst du auch kein Erdöl/Erdgas u.s Rohstoffe aus islamisch regierten Staaten Importieren bzw Kaufen. Aber wie ich sehe bist du noch im Jahr 1683 stehen geblieben :-).Servus.


  • Das "Vormachtstreben" vieler Türken hat eher etwas mit einem Minderwertigkeitskomplex vieler Türken zu tun.
    Zur Erinnerung: es geht lediglich um einen neuen Geschäftsführer für den am vergangenen Wochenende geschaßten: mithin um einen interimsgewohnten Charakter auf dem Schleudersitz der Weltläufte.

  • Der Deutsch-Türke Kemal Dervis ist wirklich ein Topkandidat als neuer IMF-Boss: http://de.wikipedia.org/wiki/Kemal_Dervi%C5%9F

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