Nach Stürmung der Grenze
Israel will völlige Trennung vom Gazastreifen

Nachdem Hamas-Kämpfer die Grenzbefestigung nach Ägypten gesprengt haben, erwägt Israel eine völlige Trennung seiner Verbindungen zu dem von der radikalen Hamas kontrollierten Gazastreifen. Auf der Sinai-Halbinsel halten sich derweil noch rund eine halbe Million Palästinenser auf. Ägypter drängen jedoch auf Rückkehr.

HB JERUSALEM/AL-ARISCH. „Wenn der Gazastreifen nach der anderen Seite offen ist, haben wir nicht mehr die Verantwortung dafür“, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Wilnai am Donnerstag im Rundfunk. „Daher wollen wir uns davon abtrennen“, fügte er hinzu.

Die letzten israelischen Truppen und Siedler verließen 2005 den Küstenstreifen. Israel kontrolliert noch die nördliche und östliche Grenze Gazas sowie den Flugverkehr und die Küstengewässer. Ägyptische Streitkräfte sind an der Südgrenze des Gazastreifens stationiert. Dort hatten Hamas-Kämpfer den massiven Grenzzaun gesprengt. Zehntausende Palästinenser strömten daraufhin nach Ägypten, um sich dort mit Waren einzudecken, die wegen der israelischen Blockade des Gazastreifens knapp geworden sind.

Die Abtrennung von Israel bedeutet nach Wilnais Worten, dass die Versorgung des Gebietes mit Strom, Wasser und Medikamenten aus Israel eingestellt werden sollte. All dies könnte von anderen geliefert werden. „Wir sind nur dafür verantwortlich, solange wie es keine Alternative gibt“, sagte er. Die Blockade des Gazastreifens begründet Israel mit dem anhaltenden Beschuss seines Territoriums von dort aus.

Einen Tag nach der Stürmung der Grenze hat sich am Donnerstag nach Schätzungen aus Sicherheitskreisen noch rund eine halbe Million Palästinenser auf der Sinai-Halbinsel aufgehalten. Augenzeugen in der Stadt Al-Arisch berichteten, die Palästinenser, die am Mittwoch durch Lücken in der Grenzbefestigungsanlage nach Ägypten gekommen waren, hätten bei Verwandten, in Moscheen, Ferienwohnungen und Teestuben übernachtet.

Die ägyptischen Grenzwächter, die am Vortag dem Ansturm der Menschen aus dem Gazastreifen auf Geheiß von Präsident Husni Mubarak nichts entgegen gesetzt hatten, bemühten sich am Donnerstag, den Grenzübertritt weiterer Palästinenser zu verhindern. Für diejenigen, die in den Gazastreifen zurückkehren wollten, blieb die Grenze dagegen offen.

Augenzeugen sagten, die Polizei wende keine Gewalt an, versuche aber teilweise, die Palästinenser zur Rückkehr zu bewegen. Ägyptische Händler nutzten derweil die günstige Gelegenheit, um ihre Waren an die Palästinenser zu verkaufen, denen es wegen der Blockade durch Israel und der seit dem Sommer geschlossenen Grenze zu Ägypten an vielem mangelt. Teilweise belieferten Produzenten nicht die Läden in den Sinai-Städten Rafah und Al-Arisch, sondern verkauften ihre Produkte direkt vom Lastwagen aus.

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