Nach Terroranschlag: Mali sucht Komplizen der Täter

Nach Terroranschlag
Mali sucht Komplizen der Täter

Nach dem Geiseldrama in Malis Hauptstadt sucht die Regierung mit Hochdruck nach Komplizen der Täter. Vizekanzler Gabriel sagte Frankreich unterdessen Unterstützung beim Militär-Einsatz in Mali zu.

BamakoNach dem Anschlag islamistischer Terroristen auf ein Luxushotel im westafrikanischen Mali fahndet die Regierung in Bamako nach Komplizen. Man nehme an, dass die beiden Terroristen, die bei dem Anschlag am Freitag ums Leben kamen, nicht allein gehandelt hätten, sagte ein Sprecher des Ministeriums für Innere Sicherheit der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Bei der Geiselnahme seien 21 Menschen - einschließlich der beiden Angreifer - getötet worden, bestätigte Präsident Ibrahim Boubacar Keïta am Samstag im nationalen Fernsehen. Viele der Todesopfer sind Ausländer.

„Wir können nicht mit Sicherheit sagen, wer hinter dem Anschlag steckt. Unsere Nachforschungen sind in vollem Gang“, sagte Minister für Innere Sicherheit, Salif Traore, bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Bamako. Berichten zufolge bekannten sich zwei mit dem Terrornetz Al-Kaida verbundene Islamistengruppen zu dem Anschlag. Frankreichs Regierung vermutet hinter dem Terrorangriff den einäugigen Al-Kaida-Veteranen Mokhtar Belmokhtar, der bereits vor Monaten von der libyschen Regierung für tot erklärt worden war und als Anführer des Terrornetzwerks im nördlichen Afrika gilt.

Der Einsatz der Spezialkräfte im Radisson Blu Hotel sei mittlerweile abgeschlossen, sagte der malische Minister. Das Gelände um das Hotel bleibe aber abgesperrt, während das Justizministerium versuche, die Leichen zu identifizieren.

Nach Angaben des Moskauer Außenministeriums wurden auch sechs Russen getötet. Die Opfer seien Mitarbeiter der Frachtfluglinie Wolga-Dnjepr gewesen, teilte die Gebietsverwaltung von Uljanowsk an der Wolga mit. Dort hat die Fluglinie ihren Sitz. Sechs andere Russen seien befreit worden. Der belgische Außenminister Didier Reynders teilte über Twitter mit, dass unter den Toten auch zwei Belgier seien. Außerdem sollen mindestens drei Chinesen und eine US-Bürgerin umgekommen sein.

Nach Angaben des Hotelbetreibers Rezidor befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs 170 Menschen in dem 190-Zimmer-Hotelgebäude, das später von malischen Sicherheitskräften und ausländischen Spezialeinheiten gestürmt wurde. Nach Angaben des Justizministeriums wurden 105 Geiseln bereit. Rund 40 Menschen konnten während des Angriffs unversehrt fliehen. Nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier blieben die vier Deutschen, die sich in dem Hotel aufgehalten hatten, unverletzt. Auch türkische, indische und französische Staatsbürger waren zur Zeit des Überfalls dort.

Malis Regierung verhängte in der Nacht zum Samstag den Ausnahmezustand. Er gilt zehn Tage lang für das gesamte Staatsgebiet. Am Montag soll zudem eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen werden.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Terroranschlag am Samstag. „Die Grausamkeit festigt nur unsere Entschlossenheit, diese Herausforderung anzunehmen“, sagte Obama in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur am Rande des Gipfeltreffens der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean). Französische und amerikanische Truppen, die in Mali Ausbildungsprogramme durchführten, hätten die einheimischen Sicherheitskräfte unterstützt, sagte Obama. „Wir stehen an der Seite der Menschen in Mali, die ihr Land von Terroristen säubern und die Demokratie stärken wollen“, sagte er.

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sagte Frankreich am Samstag die Unterstützung der deutschen Regierung beim militärischen Einsatz in Mali zu. „Natürlich werden wir Frankreich helfen“, sagte Gabriel nach einer Begegnung mit Frankreichs Staatspräsident François Hollande in Paris. Wenn die Franzosen Entlastung in Mali wollten, „dann werden wir sie natürlich auch dabei unterstützen“, sagte er der ARD. Bislang gebe es noch keine konkreten Anforderungen. Er erwarte aber, dass die Regierung in Paris dies in den nächsten Tagen konkretisieren werde.

Der Anschlag dürfte die Debatte über das Bundeswehr-Engagement in Mali anheizen. Aktuell sind rund 200 deutsche Soldaten als Teil einer EU-Mission an der Ausbildung der malischen Armee beteiligt. Die Bundesregierung erwägt, den Einsatz auf den unruhigen Norden auszuweiten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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