Nach Terroranschlag
Tunesien will Urlaubsorte mit hunderten Polizisten schützen

Nach dem blutigen Anschlag auf ein Strandhotel wollen tunesische Behörden hunderte bewaffnete Polizisten an die Urlaubsorte schicken. Tausende Touristen haben das Land verlassen. Unter den 38 Toten ist ein Deutscher.
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Port el KantaouiNach dem blutigen Anschlag auf ein Strandhotel in Tunesien wollen die tunesischen Behörden hunderte bewaffnete Polizisten zum Schutz der Urlaubsorte abstellen. Bereits am Sonntag patrouillierten Sicherheitskräfte auf Pferden und Geländefahrzeugen an dem Strand in Port El Kantaoui nahe Sousse, wo ein Attentäter am Freitag 38 Menschen, darunter mindestens ein Deutscher, getötet hatte. Tausende Urlauber verließen das Land am Wochenende unter dem Eindruck des Anschlags.

Ab dem 1. Juli sollten tausend bewaffnete Polizeibeamte zur Verstärkung der Tourismuspolizei abgestellt werden, erklärte das Tourismusministerium in Tunis. Bewaffnete Sicherheitskräfte sollten in und außerhalb von Hotels, an Stränden und archäologischen Stätten patrouillieren.

Nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates erklärte Präsident Beji Caid Essebsi, „größere Wachsamkeit“ sei notwendig, und forderte die Regierung zur Prüfung „außergewöhnlicher Maßnahmen“ im Kampf gegen künftige Bedrohungen auf. Bereits zuvor hatten die Behörden die Schließung von 80 Moscheen angekündigt, denen Förderung des Extremismus vorgeworfen wird.

Tausende Urlauber verlassen derzeit fluchtartig das Land. Allein in der Nacht zum Samstag gingen 13 Flüge vom Flughafen Enfidha bei Sousse in Richtung Europa. Bis Sonntag wollten britische Reiseveranstalter 2500 Touristen heimbringen, der belgische Anbieter Jetair sprach von 2000 Urlaubern.

Noch in der Nacht zum Samstag trafen hunderte Urlauber am Flughafen von Enfidha ein. Der Reisekonzern TUI erklärte, 80 Gäste seien nach Deutschland zurückgekehrt. Bis Sonntag würden 120 weitere Urlauber heimfliegen. Mehr als 300 Urlauber hätten zudem gebeten, ihren Sommerurlaub in Tunesien umzubuchen. Laut dem britischen Reiseanbieterverband waren zur Tatzeit allein 20.000 britische Urlauber im Rahmen organisierter Reisen in Tunesien.

Die tunesischen Behörden identifizierten bis Sonntag 18 der 38 Todesopfer. Darunter waren 14 Briten, ein Deutscher, eine Belgierin, eine Frau aus Irland und eine weitere aus Portugal. Die britische Regierung sprach von 15 getöteten Briten. Die Hotelgruppe RIU, zu der das angegriffene Hotel gehörte, erklärte, sechs der bei dem Anschlag verletzten Opfer lägen weiter in „ernstem Zustand“ im Krankenhaus. Insgesamt waren bei dem Anschlag 39 Menschen verletzt worden, darunter 25 Briten. Der Generalbundesanwalt leitete Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Anschlag ein. Auch die britische Polizei Scotland Yard schickte eigene Ermittler nach Tunesien.

Die Identifizierung der Toten ist laut den tunesischen Behörden schwierig, da die meisten Opfer am Strand oder am Swimmingpool in Badekleidung erschossen wurden und keine Papiere bei sich hatten. Ein Sprecher des tunesischen Gesundheitsministeriums sagte, jegliche Irrtümer müssten ausgeschlossen werden, es seien Zahn- und und Fingerabdrücke der Opfer genommen worden. Erste Angehörige seien bereits in Tunesien eingetroffen, um die Toten zu identifizieren.

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