Nach Tod des Herrschers
Malawis Vizepräsidentin wird neue Staatschefin

Während das Volk in Malawi noch den Tod des verhassten Herrschers feiert, steht die Nachfolge schon fest: Die Vizepräsidentin des Landes rückt nach. Zunächst waren Zweifel an einem reibungslosen Machtwechsel aufgekommen.
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Banda LilongweNach dem Tod des malawischen Präsidenten Bingu wa Mutharika hat dessen Stellvertreterin Joyce Banda die Amtsgeschäfte übernommen. Im Beisein von Ministern, dem Generalstaatsanwalt sowie den Spitzen von Militär und Polizei erklärte sich Banda in Lilongwe zum Staatsoberhaupt. „Wie Sie sehen, hat die Verfassung gesiegt“, sagte Banda, mit der erstmals eine Frau an der Spitze des Landes im südlichen Afrika steht. Der staatliche Rundfunk hatte am Samstag mit eintägiger Verspätung den Tod des 78-jährigen Mutharika nach einem Herzanfall gemeldet.

Zunächst waren Zweifel an einem reibungslosen Machtwechsel aufgekommen, weil der Tod Mutharikas erst mit Verzögerung mitgeteilt und sein Leichnam am Freitag nach Südafrika geflogen wurden. Banda war 2010 in einem Nachfolgestreit aus der Regierungspartei ausgeschlossen worden. Mutharika soll zuletzt seinen Bruder Peter, den Außenminister, als neuen Staatschef bevorzugt haben. Die Anwesenheit ranghoher Vertreter von Regierung und Sicherheitskräften bei der Erklärung Bandas deutete jedoch darauf hin, dass der Streit ausgeräumt ist. Auch die USA als wichtigster Geldgeber des verarmten Landes hatten darauf gedrungen, dass die Frauenrechtlerin die Amtsgewalt übernimmt. Die USA erwarteten, dass Banda rasch vereidigt werde, erklärte das Außenministerium in Washington.

Die Mehrheit der 13 Millionen Menschen in Malawi dürfte Mutharika keine Träne nachweinen. In ihren Augen war er ein autokratischer Herrscher und persönlich für die Wirtschaftskrise verantwortlich, die Ergebnis eines Bruchs mit der früheren Kolonialmacht Großbritannien ist. „Wir wissen, dass er tot ist. Er starb in einem einheimischen und schlecht ausgestatteten Krankenhaus, um das er sich nie gekümmert hat - keine Medikamente und kein Strom“, kommentierte ein an einer Tankstelle wartender Geschäftsmann den Tod des Präsidenten.

Unter denen, die in Lilongwe das Ableben des selbst ernannten Chefökonomen bejubelten, waren auch Gruppen Betrunkener. Seine Gegner werfen Mutharika vor, nach 18 Jahren der Demokratie die Uhren zurückgedreht zu haben. „Tut mit leid, aber wir alle haben seinen Tod herbeigesehnt“, sagte ein anderer Geschäftsmann.

In Medizinerkreisen hieß es, die Leiche Mutharikas sei deshalb nach Südafrika geflogen worden, weil es in Malawi wegen der Energiekrise an Kühlkapazitäten und Möglichkeiten für eine ordnungsgemäße Autopsie fehle.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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