Nach Tod eines Aktivisten
USA und Golfstaaten im Schulterschluss gegen Syrien

Die Gewalt gegen Regierungskritiker nimmt in Syrien kein Ende. Noch während der syrische Präsident Assad einem Vertreter der Golfstaaten Reformen verspricht, sterben Aktivisten. Das ruft auch die USA auf den Plan.
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Washington/Dschiddah/KairoDie US-Regierung hat die Tötung des syrischen Menschenrechtsaktivisten Ghijath Matar scharf kritisiert. Matar sei in Gewahrsam der Sicherheitskräfte gestorben, erklärte Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Sonntag in Washington. Die USA verurteilten dies «auf das Schärfste».

Matar, einer der Organisatoren der Proteste gegen die Regierung von Syriens Präsident Baschar el Assad, war am Dienstag festgenommen worden. Am Samstag wurde seine Leiche seiner Familie übergeben. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zeigte sie mit Verletzungen an der Brust und im Gesicht klare Zeichen von Folter.

Nuland erklärte, Matars Mut angesichts der blutigen Niederschlagung der Protestbewegung sei in seiner Heimatstadt Daraja und in ganz Syrien bekannt. Er sei der «verachtenswerten Gewalt» der syrischen Regierung mit friedlichem Protest entgegengetreten. Damit sei er ein «Vorbild» für das syrische Volk.

Die Sprecherin forderte Assad erneut zum Rücktritt und zu einem Ende der Gewalt auf. Die USA unterstützten die Syrer bei ihrem «Widerstand gegen Tyrannei».

Bei dem gewaltsamen Vorgehen gegen regierungskritische Demonstranten in Syrien wurden seit Mitte März nach UN-Angaben mehr als 2200 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden zudem mehr als 70.000 Menschen festgenommen. 15.000 von ihnen sind demnach noch in Haft.

Auch die Golfstaaten forderten erneut ein sofortiges Ende der Gewalt. Die Außenminister der sechs im Golfkooperationsrat zusammengeschlossenen Länder forderten am Sonntag nach einem Treffen im saudiarabischen Dschiddah ein «sofortiges Ende der Tötungsmaschinerie» in Syrien.

Nach einem Bericht des arabischen Senders Al-Arabija verlangten sie nach einer Sitzung im saudiarabischen Dschidda zudem von der Regierung in Damaskus die Umsetzung unverzüglicher und ernsthafter Reformen. Der Golfkooperationsrat zeigte sich besorgt über die Spirale der Gewalt und den Einsatz des Militärs in Syrien. Ungeachtet der Zusage politischer Reformen gehen Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad brutal gegen Regimegegner vor.

Während der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, am Samstag mit Assad über Vorschläge für eine Entspannung sprach, töteten Regierungskräfte in mehreren Regionen Syriens insgesamt 24 Menschen, wie Oppositions-Aktivisten mitteilten. Am Sonntag hätten die Einheiten ihren Einsatz in der Protesthochburg Homs noch verstärkt.

Nach seiner Abreise aus Syrien sagte al-Arabi in Kairo, er sei mit Assad übereingekommen, dass Reformschritte unternommen werden. „Die Schritte werden bei einem Treffen der Arabischen Liga präsentiert, das am Montag stattfinden soll“, sagte er. „Ich habe bei meinem Treffen mit Assad darauf beharrt, dass sofortige Schritte nötig sind, um Gewalt und Blutvergießen in Syrien zu beenden.“

Zum Golfkooperationsrat gehören Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Katar. Sie hatten erstmals Anfang August ein Ende des «Blutvergießens» in Syrien gefordert.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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