Nach Überfall
Israel tötet sechs Palästinenser

Die israelische Armee hat am Samstag in den Palästinensergebieten sechs Menschen getötet. Drei davon sollen nach Angaben von Helfern Mitglieder der gemäßigten Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas gewesen sein. Es ist der schwerste Gewaltausbruch in Nahost seit Monaten. PLO-Ministerpräsident Salam Fajad warnte Israel vor einer Gewaltspirale.
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HB NABLUS. Nach dem tödlichen Überfall auf einen Israeli hat die Armee am Samstag sechs Palästinenser im Gazastreifen und Westjordanland erschossen. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sprach von einem dramatischen Gewaltausbruch und warf Israel vor, die Lage bewusst eskalieren zu lassen. Ministerpräsident Salam Fajad warnte vor einer Gewaltspirale und bat die internationale Staatengemeinschaft um Hilfe, um ein weiteres Blutvergießen zu verhindern.

Im Gazastreifen starben nach israelischen Armeeangaben drei militante Palästinenser bei dem Versuch, die Grenze nach Israel zu überqueren. Aus Hamas-Kreisen verlautete dagegen, es habe sich um Zivilisten gehandelt, die bei Tagesanbruch Metallabfall nahe der Grenze zu Israel gesammelt hätten.

Im Westjordanland erschossen israelische Soldaten zudem drei Anhänger der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, die zur Fatah-Bewegung von Abbas gehören, wie Helfer vor Ort berichteten. Die Soldaten hätten in der Stadt Nablus zunächst die Häuser der betroffenen Palästinenser umstellt, bevor sie die drei Verdächtigen erschossen hätten.

Die Fatah bestätigte, dass es sich bei den Getöteten um Kämpfer der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden handelte. Die Männer seien vor einiger Zeit im Rahmen eines Sicherheitspakts entwaffnet worden. Die israelische Armee erklärte dagegen, bei mindestens einem der Getöteten seien Waffen gefunden worden. Die Razzia habe den Hintermännern des Überfalls gegolten, bei dem militante Palästinenser am Donnerstag im Westjordanland einen Israeli im Auto getötet hatten.

"Diese schwere israelische Eskalation zeigt, dass Israel kein Interesse an Frieden hat und die Situation explodieren lassen will", sagte Abbas' enger Berater Nabil Abu Rdainah zu Reuters. "Israel torpediert die internationalen und amerikanischen Bemühungen, die Friedensgespräche wieder in Ganz zu bringen." Ministerpräsident Fajad verurteilte die Übergriffe in einer schriftlichen Stellungnahme. "Dies ist ein trauriger Tag für die Palästinenser." Er könne nur hoffen, dass die Region nicht in einem Kreislauf von Gewalt und Chaos versinke.

Der Gewaltausbruch ereignete sich einen Tag vor dem ersten Jahrestag des international kritisierten Gazakriegs, bei dem etwa 1400 Palästinenser und 13 Israelis starben. Seit dem Krieg liegen die Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern über die Möglichkeit eines Friedensabkommens auf Eis. Abbas fordert einen unbefristeten Stopp des israelischen Siedlungsbaus in den besetzten Palästinensergebieten als Voraussetzung für die Aufnahme weiterer Verhandlungen. Israels rechtskonservativer Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bislang angeboten, den Siedlungsbau für eine bestimmte Zeit auszusetzen.

Kommentare zu " Nach Überfall: Israel tötet sechs Palästinenser"

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  • @ w.fischer
    das eben ist der skandal !!!soldaten die sich verteidigen auch noch vor gericht zu stellen !
    die welt schüttelt mit den kopf über soviel dummheit des herrn tritin !!! aber das ist ein anderes thema.
    den israelischen soldaten ist absolut kein fehlverhalten vorzuwerfen . versuchen sie über die mexikanisch/amerikanische grenze ohne einen offiziellen grenzübergang benutzen zu kommen. sie müssen dort auch mit schüssen rechnen.ebenso in zypern,korea,japan/sachalin usw usw. in israel hat landesverteidigung höchste priorität , deutschland wird am hinukusch verteidigt ! ???

  • Sehr geehrte Redaktion,

    ich weiss, dass in Deutschland gerne israel bashing betrieben wird, aber reflektierenn Sie bitte einmal über ihre Formulierungen, Sie schreiben:

    Seit dem Krieg liegen die Gespräche zwischen israelis und Palästinensern über die Möglichkeit eines Friedensabkommens auf Eis. Abbas fordert einen unbefristeten Stopp des israelischen Siedlungsbaus in den besetzten Palästinensergebieten als Voraussetzung für die Aufnahme weiterer Verhandlungen. israels rechtskonservativer Ministerpräsident benjamin Netanjahu hat bislang angeboten, den Siedlungsbau für eine bestimmte Zeit auszusetzen.

    Wenn Sie diese Formulierungen benutzen, zeigen Sie, dass sie kein Hintergrundwissen und vor allen Dingen keine von den begebenheiten haben, sorry, das ist leider so, TATSACHE iST, dass Abbas ALLE Verhandlungen rundherum abgelehnt hat. Als wenn er nur den Siedlungsstopp gewollt hat, Netanjahu hat bisher mehr getan, als von ihm verlangt wurde, und das wurde auch international anerkannt, leider finden diese Dinge aber keinen Eingang in unsere deutschen Medien, das könnte ich beweisen. Zweitens, warum wird die politische Richtung von israels Präsidenten iMMER erwähnt, bei der PA Führung aber entweder "moderat" oder "gemässigt" oder einfach nur der Name genannt. Das ist Manipulation der Worte, denn wenn Abbas moderat oder gemässigt ist, warum haben seine Al Aksa brigaden (ohne Abbas Genehmigung läuft da nämlich gar nichts) dann den jüdischen RAbbi, VATER von SiEbEN Kindern hinterlistig und kaltblütig ermordet? Nenn man neuerdings Auftragsmörder moderat? Oder hat das Handelsblatt die Vergangenheit dieses "gemässigten" Politikers vergessen? Sein Dazutun bei dem Massaker in München während der Olympiade, seine Doktorarbeit über die Leugnung des Holocaust?

    Es ist traurig, die Medienlandschaft, aber gut, dass Deutschland nichts mehr zu sagen hat.....

  • Sehr geehrte Vorkommentatoren, bitte keine gegenseitigen beschimpfungen, sondern versuchen, sich in den anderen hinein zu versetzen. ich möchte nur eine Frage an sie beide richten, müßen sich die Soldaten vor Gericht verantworten? Wie unsere bundeswehrsoldaten? Danke.

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