Nach Unruhen in Tibet
IOC-Präsident lehnt Olympia-Boykott ab

In Tibet sind die antichinesischen Unruhen weitergegangen. Während die chinesische Regierung ein hartes Vorgehen ankündigte, wurden Forderungen nach einem Boykott der Olympischen Spiele in Peking laut. IOC-Präsident Jacques Rogge hält davon indes nichts.

HB ST. KITTS/PEKING. Der Präsident des internationalen Olympischen Komitees geht davon aus, ein Boykott der Spiele sei eine falsche Entscheidung. „Der Boykott würde nichts lösen. Im Gegenteil. Er bestraft nur unschuldige Athleten“, sagte der belgische Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf der Karibikinsel St. Kitts. Zuvor hatte sich bereits IOC-Vizepräsident Thomas Bach gegen einen Boykott ausgesprochen. „Der Boykott wäre der falsche Weg, weil dadurch Gesprächsfäden abgeschnitten würden“, sagte Bach der Deutschen Presse Agentur dpa.

Bei den Unruhen in Tibet sind möglicherweise Dutzende von Menschen ums Leben gekommen. Die exiltibetische Regierung in Indien erhielt „unbestätigte Berichte“ aus Tibet über bis zu 100 Tote. Einen Tag nach den Ausschreitungen war nach offiziellen chinesischen Angaben nur von zehn Toten die Rede. „Die Zahl der Verletzten und Toten steigt weiter“, berichtete gleichwohl die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Viele Polizisten seien schwer verletzt worden.

Die Austragung der Olympischen Spiele im Sommer in Peking sei von den Unruhen nicht betroffen, betonten die chinesischen Organisatoren. Am Samstag brachen laut Berichten erneut vereinzelt Proteste aus. Die exiltibetische Regierung teilte an ihrem Sitz im nordindischen Dharamshala mit, dass über Lhasa das „Kriegsrecht“ verhängt worden sei. Tibets Regierungschef Qiangba Puncog hatte das zuvor in Peking bestritten.

Nach Informationen des in Indien ansässigen Tibetischen Zentrums für Menschenrechte und Demokratie TCHRD gab es allein am Jokhang-Tempel und Ramoche-Tempel und einem Markt im Zentrum von Lhasa rund 25 Tote. Hunderte seien verletzt worden. Die Unruhen hatten auch andere Orte sowie Klöster in den Provinzen Gansu und Qinghai erfasst. In Gansu sollen auch Schüsse gefallen sein.

Nach Augenzeugenberichten sollen chinesische Sicherheitskräfte auch am Samstag wieder geschossen haben. In der Hauptstadt Lhasa, die am Vortag Schauplatz schwerer Ausschreitungen war, seien trotz des massiven Sicherheitsaufgebots wieder Demonstranten auf die Straße gegangen, berichtete die Organisation Free Tibet Campaign unter Hinweis auf ein Interview des britischen Fernsehsenders ITV mit einem Ausländer in Lhasa. Es seien Schüsse zu hören gewesen.

Auch buddhistische Mönche des Labrang Tashikyil Klosters in Sangchu in Gansu demonstrierten nach exiltibetischen Angaben wieder. Ihnen hätten sich einfache Tibeter angeschlossen. Sie forderten die Unabhängigkeit Tibets und bekundeten ihre Unterstützung für den Dalai Lama. Sicherheitskräfte seien gegen die Protestierer vorgegangen, hätten in die Luft geschossen und Tränengas gegen die Mönche eingesetzt, berichtete die Organisation. Es habe Festnahmen gegeben. Auch sollen Demonstranten verprügelt worden sein.

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