Nach Urteil
Protestler stürmen Rathaus von St. Louis

Einen Prozess für den Todesschützen des unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown wird es nicht geben. Die Entscheidung entsetzt viele. Nun könnten die Proteste abebben – wegen eines Feiertags.
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FergusonNach der umstrittenen Entscheidung der Geschworenen im Fall des erschossenen schwarzen Jugendlichen Michael Brown haben Demonstranten das Rathaus der Stadt St. Louis gestürmt. Ein Teil der rund 200 Aktivisten gelangte am Mittwoch in das Gebäude und skandierte dabei „Schande, Schande“. Polizisten und Mitglieder der Nationalgarde drängten die Menge jedoch zurück. Die Wut der Demonstranten richtet sich gegen den Beschluss der Jury, wegen der tödlichen Schüsse keine Anklage gegen den weißen Polizisten Darren Wilson zu erheben.

In St. Louis, in der US-Kleinstadt Ferguson und bei Protesten in zahlreichen Bundesstaaten wurden mittlerweile mehr als 400 Menschen festgenommen. Demonstrationen und Straßenblockaden hatte es unter anderem in Boston, New York, Dallas und Atlanta gegeben. Die Demonstranten riefen immer wieder „Hände hoch, nicht schießen!“. Sie bezogen sich damit auf Zeugenaussagen, wonach Brown seine Hände erhoben hatte, als er erschossen wurde.

An diesem Donnerstag dürften die Proteste etwas abebben. Dann wird in Amerika Thanksgiving gefeiert.

Polizist Wilson beteuerte in einem Interview des Fernsehsenders ABC, dass er geschossen habe, weil er um sein Leben gefürchtet habe. Er habe nicht anders reagieren können und er hätte sich nicht anders verhalten, wenn Brown weiß gewesen wäre. Er bestritt, dass der 18-Jährige die Hände erhoben habe, um sich zu ergeben. „Ich weiß, dass ich meinen Job richtig gemacht habe“, sagte Wilson dem ABC-News-Moderator George Stephanopoulos.

Browns Mutter Lesley McSpadden sagte dem Fernsehsender NBC am Mittwoch, sie mache seit der Verkündung der Geschworenenentscheidung eine „schlaflose, harte, herzzerreißende und unglaubliche“ Zeit durch. Dass Wilson in seiner Aussage ihren Sohn als dämonisch beschrieben habe, sei respektlos und „fügt der Wunde eine Beleidigung hinzu“, sagte sie.

In der öffentlichen Diskussion war immer wieder betont worden, dass Brown unbewaffnet gewesen sei. Staatsanwalt Bob McCulloch hatte dies bei der Verkündung der Jury-Entscheidung mit keinem Wort erwähnt.

In der Tat ist das nach den in Missouri geltenden Vorschriften unerheblich. Nach dem Recht dieses US-Staats kann ein Polizist tödliche Gewalt anwenden, wenn er davon überzeugt ist, eine Person verhaften zu müssen, die eine Gefahr für das Leben anderer darstellen könnte. Genau das nimmt Wilson für sich in Anspruch.

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