Nach US-Berichten
Iran dementiert Angriffe auf IS

Luftangriffe gegen Stützpunkte der IS-Terrormiliz haben bisher die USA koordiniert. Nun gab das Pentagon bekannt, dass offenbar auch iranische Kampfbomber Einsätze flogen. Doch Teheran will davon nichts wissen.
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BrüsselDer Iran hat Meldungen widersprochen, Luftangriffe gegen Stellungen der extremistischen Miliz Islamischer Staat im Nachbarland Irak geflogen zu haben. Die Islamische Republik habe sich noch nie an derartigen Einsätzen gegen IS-Ziele im Irak beteiligt, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Die USA haben dagegen nach Angaben aus Regierungskreisen Hinweise, dass iranische Kampfflugzeuge vom Typ F-4 Phantom Angriffe flogen. Die irakische Regierung bat unterdessen die Nato, ihr der Ausbildung von Truppen im Kampf gegen den IS zu helfen.

US-Außenminister John Kerry wollte nach einem Treffen der von seinem Land geführten Anti-IS-Koalition in Brüssel eine Bombardierung von IS-Stellungen durch iranische Flugzeuge im Irak weder bestätigen noch dementieren. Das sei Sache der Regierung in Teheran. „Wir koordinieren unsere Militärschläge mit dem Iran nicht und werden das auch nicht tun.“

Auch der iranische Regierungsvertreter machte deutlich, dass eine Zusammenarbeit mit den USA bei Luftschlägen nicht infrage komme. Die von den USA geführte Allianz fliegt seit Wochen Angriffe auf den IS im Irak und in Syrien. Die Extremisten haben in beiden Ländern große Gebiete erobert und zwingen den Bewohnern eine besonders radikale Form des Islams auf. Sie verbreiten mit Gräueltaten auch an Zivilisten Angst und Schrecken.

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad, der ebenfalls gegen den IS kämpft, kritisierte die Luftangriffe in seinem Land als ineffektiv. „Man kann Terrorismus nicht durch Luftschläge beenden“, sagte er dem Magazin „Paris Match“. Ausschlaggebend seien Bodentruppen, die mit dem Gebiet vertraut seien. Deswegen hätten die Luftangriffe der internationalen Koalition in den vergangenen zwei Monaten keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Seine Truppen bekämpften den IS weiter am Boden, betonte Assad. Auch seiner Armee werden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Im Gegensatz zu Assad betonte die von den USA geführte Koalition nach Beratungen in Brüssel, dass es erste Erfolge im Vorgehen gegen den IS gebe. Der Vormarsch in Syrien und dem Irak sei gestoppt worden. Kerry machte allerdings deutlich, dass der Kampf gegen die Extremistengruppe Jahre dauern könnte. Nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier prüft Deutschland eine weitere Ausbildung kurdischer Peschmerga-Kämpfer. Die Bundeswehr liefert den nordirakischen Kurden bereits Waffen für den Kampf gegen IS. Zudem stocke die Bundesregierung ihre humanitäre Hilfe für diesen Winter um 40 Millionen Euro auf, sagte Steinmeier.

Im Kampf gegen den IS bat der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi die Nato um Hilfe bei der Ausbildung von Truppen. Die Bitte werde vom Nato-Rat geprüft, sagte ein Sprecherin des Militärbündnisses. Unklar ist, ob das Training irakischer Soldaten im Irak oder im Ausland stattfinden soll.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Im Dossier, das nicht kommentiert werden konnte, lass sich das noch anders: Dort behauptet Kerry, das die USA das Monopol haben IS zu bekämpfen. Gleichzeitig beschuldigte er den Iran, die Schläge nicht mit ihm abgestimmt zu haben. Da die USA das Zentrum unseres Universums sind, war das ein schwerer Fehler des Iran. Evtl. war Kerry einfach nur besorgt, das die Iraner ein paar CIA-Mitarbeiter treffen könnten, die da gerade "Aufbauhilfe" für eine "bunte Revolution" leisten. Also das nächste mal vorher fragen, bevor man IS bekämpft. So kann Kerry die Guten vor dem Schlag warnen, so wie es das Sächsische Innenministerium mit der NSU gemacht hat.

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