Nach US-Militärmanöver

Nordkorea droht mit Vergeltungsmaßnahmen

Die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea haben sich nach dem jüngsten amerikanisch-südkoreanischen Militärmanöver nochmals deutlich erhöht. Kim Jong Un droht nun mit der schonungslosen Umsetzung seiner Vergeltung.
Update: 22.08.2017 - 14:37 Uhr 2 Kommentare
Nordkorea hatte damit gedroht, Raketen in die Gewässer um die US-Pazifikinsel abzufeuern. Quelle: AP
Guam

Nordkorea hatte damit gedroht, Raketen in die Gewässer um die US-Pazifikinsel abzufeuern.

(Foto: AP)

Seoul/OsanNach dem Beginn eines gemeinsamen Militärmanövers der USA mit Südkorea hat Nordkorea seine Tonlage verschärft. Ein Sprecher der im Grenzort Panmunjom stationierten Einheit der nordkoreanischen Volksarmee drohte am Dienstag wegen der Übungen im Nachbarland mit „schonungsloser Vergeltung und Bestrafung“. Wie die Maßnahmen aussehen sollen, blieb unklar. Ungeachtet der zunehmenden Drohungen Nordkoreas betonte der Befehlshaber des Pazifikkommandos der USA, Harry Harris, wie wichtig eine diplomatische Lösung in dem Konflikt sei.

„Der wichtigste Startpunkt ist ein diplomatischer Startpunkt“, sagte Harris laut Berichten südkoreanischer Sender auf dem südlich von Seoul liegenden US-Luftwaffenstützpunkt Osan. „Wir hoffen darauf und wir arbeiten an einer diplomatischen Lösung für die Herausforderung durch (Nordkoreas Machthaber) Kim Jong Un.“ Diese Arbeit müsse von einem starken militärischen Aufwand und einer „glaubwürdigen Kampfkraft“ gestützt werden. Der Admiral inspizierte in Begleitung weiterer US-Kommandeure das laufende Manöver.

Der nordkoreanische Armeesprecher unterstellte den USA wie üblich, durch ihr Manöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten. „Die USA werden für die katastrophalen Konsequenzen zur Verantwortung gezogen, die solche rücksichtslosen aggressiven Kriegsmanöver nach sich ziehen“, wurde er von den Staatsmedien zitiert.

Dass Nordkorea seine Rhetorik bei Manövern auf der anderen Seite der Grenze verschärft, ist nicht unüblich. Doch die Spannungen hatten sich zuletzt nach zwei nordkoreanischen Teststarts von Interkontinentalraketen im Juli wieder deutlich erhöht. Das Land arbeitet an der Entwicklung von Raketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können.

US-Präsident Donald Trump drohte der kommunistischen Führung in Pjöngjang mit „Feuer und Wut“, was angesichts der atomaren Bewaffnung beider Länder für Unruhe gesorgt hatte. Nordkorea drohte damit, Raketen in die Gewässer um die US-Pazifikinsel Guam abzufeuern. Letztlich stellte es seine Pläne aber zurück.

Die Bedeutung der Insel Guam
Die US-Stützpunkte auf Guam
1 von 7

Auf Guam gibt es zwei bedeutende Militärstützpunkte, den Luftwaffenstützpunkt Andersen im Norden der Insel und eine zur Marine gehörende Basis im Süden. Zwischen ihnen liegt der Touristenbezirk Tumon mit Hotelanlagen und Resorts. Der Marine-Stützpunkt kann bis zum Jahr 1898 zurückverfolgt werden, als die USA Guam von Spanien nach dem Spanisch-Amerikanischen-Krieg übernahmen.

Luftwaffenbasis seit dem zweiten Weltkrieg
2 von 7

Die Basis der Luftwaffe wurde 1944 während des Zweiten Weltkriegs gebaut, als die USA sich darauf vorbereiteten, Bomber nach Japan zu schicken. Der Andersen-Stützpunkt hält heute eine Hubschrauberstaffel und Langstreckenbomber, die zwischen Guam und dem US-Festland hin- und herfliegen. Am Marine-Stützpunkt befinden sich vier nuklear betriebene U-Boote zum Schnellangriff und zwei U-Boot-Begleitschiffe.

Die Bewohner von Guam
3 von 7

Auf Guam sind 7.000 Einsatzkräfte des US-Militärs stationiert, die meisten davon Soldaten der Luftwaffe oder der Marine. Die Armee plant, zusätzlich Tausende Marinesoldaten von Okinawa im Süden Japans nach Guam zu verlegen. Die Gesamtbevölkerung der Insel liegt bei rund 160.000. Die Einwohner des US-Überseegebiets im Pazifik haben Angst, dass sie in die Schusslinie des Atomstreits zwischen Nordkorea und den USA geraten könnten.

Geostrategische Bedeutung
4 von 7

Die Insel hat große strategische Bedeutung: Guam liegt nur einen kurzen Flug von der Koreanischen Halbinsel entfernt, ebenso von anderen potenziellen Krisenherden in Ostasien. Seoul liegt rund 3.200 Kilometer nordwestlich von Guam, Tokio 2.400 Kilometer nördlich und Taipeh 2.700 Kilometer westlich. Da Guam Außengebiet der Vereinigten Staaten ist, können die USA jederzeit Kräfte von dort einsetzen, ohne dass das Land Sorge haben müsste, dass eine Gast-Nation möglicherweise Einwände gegen die Aktionen des US-Militärs haben könnte.

U-Boote auf Guam
5 von 7

Die U-Boote des Marinestützpunktes sind wichtig, um Informationen in der Region - etwa von der Koreanischen Halbinsel und aus dem Südchinesischen Meer - zu sammeln. In Letzterem hat China Militärstützpunkte auf künstlichen Inseln aufgebaut.

US-Militär auf Guam
6 von 7

Im Jahr 2004 haben die USA damit begonnen, Langstreckenbomber der Typen B-2, B-1 und B-52 wechselweise zum Stützpunkt Andersen zu schicken. Ziel war die Kompensation von Streitkräften, die aus dem asiatisch-pazifischen Raum für Kämpfe im Nahen Osten abgezogen wurden. Zudem hatte Nordkorea damals seine Bemühungen um die Entwicklung seines Atomwaffenprogramms erhöht. 2013 schickte die US-Armee das Raketenabwehrsystem THAAD nach Guam, das ballistische Raketen in ihrer finalen Flugphase zerstören kann.

Bevölkerung und Regierung
7 von 7

Die Insel wurde erstmals vor rund 4.000 Jahren von den Vorfahren des Volks der Chamorro besiedelt. Die Chamorro machen auch heute noch die größte ethnische Gruppe der Insel aus. Die Hauptstadt Guams ist Hagatna, die größte Stadt ist mit rund 45.000 Einwohnern jedoch Dededo. Die Hauptsprachen sind Englisch und Chamorro. Auf der Insel gibt es populäre Bewegungen, die entweder mehr in Richtung Eigenverwaltung oder hin zum US-Beitritt tendieren. In den 1980er-Jahren gab es zudem einen Versuch, Guam zu einem US-Freistaat nach Vorbild Puerto Ricos zu machen. Der Versuch scheiterte jedoch.

Die USA und Südkorea hatten die seit langem geplante elftägige Übung „Ulchi Freedom Guardian“ (Ulchi-Freiheitswächter) am Montag begonnen. Im Zentrum stehen computergestützte Simulationen eines Kriegs auf der koreanischen Halbinsel.

Der Kommandeur der US-Streitkräfte Korea (USFK), Vincent Brooks, wies Forderungen Nordkoreas nach einem Ende der gemeinsamen Manöver mit Südkorea zurück. Die beiden Alliierten würden die Übungen solange fortsetzen, bis „es einen Grund gibt, das nicht zu tun.“ Er betonte: „Diese Übungen sind sehr wichtig.“ Die USA haben 28 500 Soldaten als Abschreckung in Südkorea stationiert.

Auch eine Gruppe von US-Kongressabgeordneten mahnte bei einem Besuch in Seoul eine Gesprächslösung im Konflikt mit Nordkorea an. „Wir müssen anerkennen, dass ein Präventionskrieg dieses Problem nicht lösen, sondern es viel schlimmer machen würde“, sagte der Senator Edward Markey, ein Demokrat aus Massachusetts, nach einem Treffen der Delegation mit Präsident Moon Jae In. Mit Nordkorea zu sprechen, sei keine Konzession der USA, sondern der einzige Weg, um die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei zu machen.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Nach US-Militärmanöver - Nordkorea droht mit Vergeltungsmaßnahmen

2 Kommentare zu "Nach US-Militärmanöver: Nordkorea droht mit Vergeltungsmaßnahmen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich dachte, Trump hätte den Konflikt gewonnen!. Das ist wahr, Herr Trump ist eben der Größte.

  • Wie? Ich dachte, Trump hätte den Konflikt gewonnen! Weil er besser im Drohen gewesen wäre. So hat es mir gestern noch die trumpsche Troll-Familie erklärt. Und nun?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%