Nach Waffenstillstand Jetzt tobt in Syrien der Kampf der Interessen

Seit dieser Woche herrscht in Syrien offiziell Waffenstillstand. Doch Frieden bedeutet das längst nicht. Im Gegenteil – dutzende Akteure versuchen, die Situation für ihre Interessen auszunutzen. Ein Überblick.
Update: 15.09.2016 - 14:56 Uhr 11 Kommentare
Syrische Kinder sitzen auf einem Karussell. Trotz Waffenstillstand ist jedoch kein Friede in Sicht. Quelle: dpa
Waffenstillstand in Syrien

Syrische Kinder sitzen auf einem Karussell. Trotz Waffenstillstand ist jedoch kein Friede in Sicht.

(Foto: dpa)

KairoUS-Außenminister John Kerry sprach beschwörend von der „letzten Chance, um Syrien zu retten“. Sein russischer Amtskollege, Vizeaußenminister Mikhail Bogdanov, drängte darauf, bereits Anfang Oktober die nächsten Uno-Gespräche nach Genf einzuberufen. Seit Montagabend schweigen die Waffen, am Dienstag verlängerten die USA und Russland die Waffenruhe. Doch ein Frieden ist noch lange nicht in Sicht.

Der Kampf gegen die radikalen Jihadisten soll jetzt erst richtig losgehen. Und die innersyrische Tragödie ist der wohl vertrackteste Konflikt der Moderne, weil sich auf dem Schlachtfeld mehr als ein Dutzend nationale, regionale und internationale Akteure tummeln.

Die Vereinigten Staaten

Auch wenn US-Präsident Barack Obama zu Beginn des Arabischen Frühlings den syrischen Diktator Bashar al-Assad mehrfach zum Rücktritt aufforderte, in den letzten beiden Jahren rückte das Weiße Haus immer mehr von dieser Linie ab. Alle Versuche des Pentagon, moderate Rebellenbrigaden zu rekrutieren und zu trainieren, scheiterten kläglich.

Stattdessen rückte der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ und die Al-Nusra-Front in den Vordergrund. Die USA schmiedeten eine internationale Luftallianz gegen die Terrormilizen und unterstützen am Boden die kurdischen YPG-Brigaden, die als einzige den Jihadisten gewachsen sind. Washington will keinen chaotischen Zusammenbruch des Regimes und ist daher bereit, für eine gewisse Übergangsphase Assad zu akzeptieren.

Russland

Seit September 2015 greift Moskau mit Kampfflugzeugen und Elitetruppen in den Bürgerkrieg ein, um das schwankende Assad-Regime zu stabilisieren und sein Überleben zu sichern. Der Kreml will sich im Nachkriegssyrien eine möglichst gute Machtposition sichern, um seinen Einfluss im Nahen Osten noch fester zu verankern. Auf Jahre in den Kriegssumpf hineinziehen lassen möchte sich die russische Führung jedoch nicht, die Erinnerung an die Afghanistan-Katastrophe in den achtziger Jahren ist noch sehr präsent.

Obendrein will Präsident Wladimir Putin den Krieg gegen den IS möglichst auf syrischem Boden führen und sucht daher die Kooperation mit den USA. Gleichzeitig wächst in Moskau die Ernüchterung über die wankelmütige Assad-Clique und ihre demoralisierte Armee. Der russische Militärexperte Mikhail Khodarenok warf auf der Kreml-nahen Website gazeta.ru den Soldaten Assads vor, sie hätten im gesamten letzten Jahr keine einzige erfolgreiche Offensive mehr hingekriegt und seien nur noch damit beschäftigt, an Straßensperren Schmiergelder zu kassieren. „Diesen Krieg zu gewinnen mit einem Verbündeten wie der syrischen Armee, das ist unmöglich.“

Geld und Waffen
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11 Kommentare zu "Nach Waffenstillstand: Jetzt tobt in Syrien der Kampf der Interessen"

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  • Man muss sich das Verhalten der Amerikaner und Europäer im Syrienkonflikt wirklich mal vor Augen halten.
    Die Al Nusra-Front ist die Al-Qaeda von Syrien.
    Diese wird seit Jahren unterstützt und um moralisch besser dazustehen, stellt man sie dann an die Seite der gemässigte Rebellen.
    Diese Rebellen haben ebenfalls nicht die mindeste Legitimation in Syrien und man fragt sich schon, wer es den USA erlaubt in einem Land Rebellen derart zu bewaffnen, dass die heimische Armee unter Druck kommt.

    Syrien war einer der arabischen Staaten mit der westlichsten Orientierung und Assad hätte die weitere stückweise Liberalisierung des Landes, die von ihm schon geplant war, gelingen können, wenn man nicht unter dem Vorwand de arabischen Frühlings Jugendbanden und Hitzköpfe in diesem Land mit Waffen versorgt hätte, die ausreichten, um im eigenen Land einen Bürgerkrieg auszurichten.
    Viel Elend hätte vermieden werden können, wenn sich der Westen einfach rausgehalten hätte.

    Erst seit Russland mit Assad die militärische Macht in Syrien zurückgewinnt und die gemässigten Truppen z. B. in Aleppo eingekesselt sind, wird ein Waffenstillstand möglich.
    Dasselbe Schema konnte man auch in der Ost-Ukraine erkennen. Erst als die russische Seite auf dem Vormarsch ist, kommen die Verhandlungen voran.

    Fazit:
    Solange die gemässigten Rebellen militärische Erfolge aufweisen, sind keine Verhandlungen möglich.



    Deshalb sollte sich Europa und insbesondere Deutschland von dieser Kriegspolitik in Syrien und anderen Ländern verabschieden.

    Vielleicht wachen die Europäer ja aufgrund der Flüchtlinge auf und erkennen, dass es in der heutigen Zeit nicht mehr möglich ist, in fernen Ländern Krieg zu führen oder Kriege führen zu lassen, ohne dass dieser Auswirkungen auf die Heimat hat.

    Man kennt die Probleme im arabischen Raum und in Afrika seit mehr als 40 Jahren. Der Umgang mit ihnen ist beschämend. Der Westen ist seit zwei Jahrzehnten ohne jegliche moralische Legitimation bei internationalen Konflikten.

  • NACH WAFFENSTILLSTAND
    Jetzt tobt in Syrien der Kampf der Interessen
    von:
    Martin Gehlen
    Datum:
    15.09.2016 14:16 UhrUpdate: 15.09.2016, 14:56 Uhr
    Seit dieser Woche herrscht in Syrien offiziell Waffenstillstand. Doch Frieden bedeutet das längst nicht. Im Gegenteil – dutzende Akteure versuchen, die Situation für ihre Interessen auszunutzen. Ein Überblick.

    ......................

    Also nochmal:

    ES IST EIN WUNSCHDENKEN von Russland und USA...dass die Waffenruhe in Syrien hält solange Baschar al ASSAD das Land nicht verlassen hat oder sogar noch mit regiert !!!!!


  • KRIEG IN SYRIEN
    Assad-Regime lässt Hilfskonvois trotz Feuerpause nicht zu
    Datum:
    15.09.2016 17:02 Uhr
    Die USA und Russland haben sich auf eine Feuerpause in Syrien geeinigt. Doch die syrische Regierung will Hilfskonvois nicht durchlassen. Ohne Zusicherung freien Geleits bleibt die humanitäre Lage desaströs.

    …..............

    Baschar al ASSAD nach DAN HAAG !!!



  • Weil dieser Konflikt so große Auswirkungen auf unser Land hat, empfiehlt sich dieser Beitrag zur Massenzuwanderung. Recht lang, aber eben dafür dem komplexen Thema gerecht. Was sagen echte Fachleute wie Prof. Erich Weede?

    Massenmigration und Sozialstaat:
    https://www.youtube.com/watch?v=0lxJfYOl6kg

    Schlussfolgerung vorweg: Auswandern!

  • Tatsache ist, dass es Syrien fast keinen Krieg gibt.

    x-1000 Syrer, die hier bei uns eingewandert sind, machen gerade Urlaub in der Heimat. Und mit ordentlich € in der Tasche sind sie dort die Könige.

    Also glaubt nicht alles, was hier geschrieben wird.

  • Mal wieder Journalismus vom Feinsten.

    Auf welcher völkerrechtlicher Grundlage fordert der US Präsident den gewählten Präsident eines anderen souveränen Staates zum Rücktritt auf ?

    Auf welcher völkerrechtlicher Grundlage bombardiert der US Präsident ein anders souveränes Land und lässt täglich Unschuldige durch Drohnen ermorden ?

    DIe USA verstösst täglich gegen den Artikel 1 des NATO Vertrages und keiner schert sich drum.

    Die Parteien verpflichten sich, in Übereinstimmung mit der Satzung der Vereinten Nationen, jeden internationalen Streitfall, an dem sie beteiligt sind, auf friedlichem Wege so zu regeln, daß der internationale Friede, die Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden, und sich in ihren internationalen Beziehungen jeder Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung zu enthalten, die mit den Zielen der Vereinten Nationen nicht vereinbar sind.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • >> Seit dieser Woche herrscht in Syrien offiziell Waffenstillstand. >>

    Dieser Waffenstillstand ist durch zwei Blender....einer aus USA, der andere aus Russland, ausgehandelt ( welche Lachnummer....!!!!!!!! ) . Und das bei einem Konflikt, in dem neben den zwei ernannten noch Türken, Saudis, Iraner, Assad, IS, Al Nusra, Iraque, Qatar, über 600 Stämme aus Syrien, sonstige beteiligt sind...???!!!!!!

    Und da finden sich zwei Schlitzohren, die der Welt einen Waffenstillstand verkaufen....?

    Für wie blöd hält man eigentlich die Menschheit ?

  • Das ist ja das Problem an der Sache...Syrien an sich ist ja kein Volk sondern war und ist immer ein künstliches Konstrukt der europäischen Eroberer gewesen. Der gesamte Nahe- und Mittlere Osten hat keine Voklsstruktur wie es in Europa seit über Jahrhunderten gelebt wird sondern hier herrschen die Stammesführer von etlichen Stämmen. Hier gibt es keine Demokratie im Sinne von Europa oder den USA...hier herrscht eine klare Stammeshierachie. Der Starke siegt der Schwache unterwirft sich. Das gilt für das Verständnis der Stammeskultur wie auch für das menschliche Geschlecht von Mann und Frau.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

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