Nach Waffenstillstand
Jetzt tobt in Syrien der Kampf der Interessen

Seit dieser Woche herrscht in Syrien offiziell Waffenstillstand. Doch Frieden bedeutet das längst nicht. Im Gegenteil – dutzende Akteure versuchen, die Situation für ihre Interessen auszunutzen. Ein Überblick.
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KairoUS-Außenminister John Kerry sprach beschwörend von der „letzten Chance, um Syrien zu retten“. Sein russischer Amtskollege, Vizeaußenminister Mikhail Bogdanov, drängte darauf, bereits Anfang Oktober die nächsten Uno-Gespräche nach Genf einzuberufen. Seit Montagabend schweigen die Waffen, am Dienstag verlängerten die USA und Russland die Waffenruhe. Doch ein Frieden ist noch lange nicht in Sicht.

Der Kampf gegen die radikalen Jihadisten soll jetzt erst richtig losgehen. Und die innersyrische Tragödie ist der wohl vertrackteste Konflikt der Moderne, weil sich auf dem Schlachtfeld mehr als ein Dutzend nationale, regionale und internationale Akteure tummeln.

Die Vereinigten Staaten

Auch wenn US-Präsident Barack Obama zu Beginn des Arabischen Frühlings den syrischen Diktator Bashar al-Assad mehrfach zum Rücktritt aufforderte, in den letzten beiden Jahren rückte das Weiße Haus immer mehr von dieser Linie ab. Alle Versuche des Pentagon, moderate Rebellenbrigaden zu rekrutieren und zu trainieren, scheiterten kläglich.

Stattdessen rückte der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ und die Al-Nusra-Front in den Vordergrund. Die USA schmiedeten eine internationale Luftallianz gegen die Terrormilizen und unterstützen am Boden die kurdischen YPG-Brigaden, die als einzige den Jihadisten gewachsen sind. Washington will keinen chaotischen Zusammenbruch des Regimes und ist daher bereit, für eine gewisse Übergangsphase Assad zu akzeptieren.

Russland

Seit September 2015 greift Moskau mit Kampfflugzeugen und Elitetruppen in den Bürgerkrieg ein, um das schwankende Assad-Regime zu stabilisieren und sein Überleben zu sichern. Der Kreml will sich im Nachkriegssyrien eine möglichst gute Machtposition sichern, um seinen Einfluss im Nahen Osten noch fester zu verankern. Auf Jahre in den Kriegssumpf hineinziehen lassen möchte sich die russische Führung jedoch nicht, die Erinnerung an die Afghanistan-Katastrophe in den achtziger Jahren ist noch sehr präsent.

Obendrein will Präsident Wladimir Putin den Krieg gegen den IS möglichst auf syrischem Boden führen und sucht daher die Kooperation mit den USA. Gleichzeitig wächst in Moskau die Ernüchterung über die wankelmütige Assad-Clique und ihre demoralisierte Armee. Der russische Militärexperte Mikhail Khodarenok warf auf der Kreml-nahen Website gazeta.ru den Soldaten Assads vor, sie hätten im gesamten letzten Jahr keine einzige erfolgreiche Offensive mehr hingekriegt und seien nur noch damit beschäftigt, an Straßensperren Schmiergelder zu kassieren. „Diesen Krieg zu gewinnen mit einem Verbündeten wie der syrischen Armee, das ist unmöglich.“

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Geld und Waffen

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Bis zu 100.000 Kämpfer gegen Assad

Kommentare zu " Nach Waffenstillstand: Jetzt tobt in Syrien der Kampf der Interessen"

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  • Man muss sich das Verhalten der Amerikaner und Europäer im Syrienkonflikt wirklich mal vor Augen halten.
    Die Al Nusra-Front ist die Al-Qaeda von Syrien.
    Diese wird seit Jahren unterstützt und um moralisch besser dazustehen, stellt man sie dann an die Seite der gemässigte Rebellen.
    Diese Rebellen haben ebenfalls nicht die mindeste Legitimation in Syrien und man fragt sich schon, wer es den USA erlaubt in einem Land Rebellen derart zu bewaffnen, dass die heimische Armee unter Druck kommt.

    Syrien war einer der arabischen Staaten mit der westlichsten Orientierung und Assad hätte die weitere stückweise Liberalisierung des Landes, die von ihm schon geplant war, gelingen können, wenn man nicht unter dem Vorwand de arabischen Frühlings Jugendbanden und Hitzköpfe in diesem Land mit Waffen versorgt hätte, die ausreichten, um im eigenen Land einen Bürgerkrieg auszurichten.
    Viel Elend hätte vermieden werden können, wenn sich der Westen einfach rausgehalten hätte.

    Erst seit Russland mit Assad die militärische Macht in Syrien zurückgewinnt und die gemässigten Truppen z. B. in Aleppo eingekesselt sind, wird ein Waffenstillstand möglich.
    Dasselbe Schema konnte man auch in der Ost-Ukraine erkennen. Erst als die russische Seite auf dem Vormarsch ist, kommen die Verhandlungen voran.

    Fazit:
    Solange die gemässigten Rebellen militärische Erfolge aufweisen, sind keine Verhandlungen möglich.



    Deshalb sollte sich Europa und insbesondere Deutschland von dieser Kriegspolitik in Syrien und anderen Ländern verabschieden.

    Vielleicht wachen die Europäer ja aufgrund der Flüchtlinge auf und erkennen, dass es in der heutigen Zeit nicht mehr möglich ist, in fernen Ländern Krieg zu führen oder Kriege führen zu lassen, ohne dass dieser Auswirkungen auf die Heimat hat.

    Man kennt die Probleme im arabischen Raum und in Afrika seit mehr als 40 Jahren. Der Umgang mit ihnen ist beschämend. Der Westen ist seit zwei Jahrzehnten ohne jegliche moralische Legitimation bei internationalen Konflikten.

  • NACH WAFFENSTILLSTAND
    Jetzt tobt in Syrien der Kampf der Interessen
    von:
    Martin Gehlen
    Datum:
    15.09.2016 14:16 UhrUpdate: 15.09.2016, 14:56 Uhr
    Seit dieser Woche herrscht in Syrien offiziell Waffenstillstand. Doch Frieden bedeutet das längst nicht. Im Gegenteil – dutzende Akteure versuchen, die Situation für ihre Interessen auszunutzen. Ein Überblick.

    ......................

    Also nochmal:

    ES IST EIN WUNSCHDENKEN von Russland und USA...dass die Waffenruhe in Syrien hält solange Baschar al ASSAD das Land nicht verlassen hat oder sogar noch mit regiert !!!!!


  • KRIEG IN SYRIEN
    Assad-Regime lässt Hilfskonvois trotz Feuerpause nicht zu
    Datum:
    15.09.2016 17:02 Uhr
    Die USA und Russland haben sich auf eine Feuerpause in Syrien geeinigt. Doch die syrische Regierung will Hilfskonvois nicht durchlassen. Ohne Zusicherung freien Geleits bleibt die humanitäre Lage desaströs.

    …..............

    Baschar al ASSAD nach DAN HAAG !!!



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