Nach Wahlkampfauftritt
Russische Polizei nimmt Kreml-Kritiker Nawalny fest

Nach einem Wahlkampfauftritt ist der Putin-Kritiker Nawalny von der Polizei kurzzeitig festgenommen worden. Er soll gegen das Versammlungsrecht verstoßen haben. Die Opposition befürchtet einen anderen Hintergrund.
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MoskauEine Sondereinheit der russischen Polizei hat den Kremlgegner Alexej Nawalny nach einem Wahlkampfauftritt vor der Bürgermeisterwahl in Moskau kurzzeitig festgenommen. Nach einem „Gespräch“ über Verstöße gegen das Versammlungsrecht sei der Bürgermeisterkandidat wieder freigelassen worden, teilte das Innenministerium am Sonntag der Agentur Interfax zufolge mit. Auch seine Sprecherin bestätigte die Freilassung.

Wegen Verstößen gegen das Versammlungsrecht sei der Kandidat verhört worden, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax einen Polizeisprecher. Laut Ministerium wurden Rechte und Interessen anderer Bürger verletzt. Details nannte die Pressestelle des Ministeriums nicht. Zu der Wahlkampfveranstaltung waren mehrere Tausend Menschen gekommen. Nawalny beklagt vor der Abstimmung am 8. September zunehmende Behördenschikanen, inszenierte Strafverfahren und Justizwillkür.

Die Sprecherin des prominenten Anwalts, Anna Weduta, hatte zuvor gesagt, dass der 37-Jährige ohne Angabe von Gründen abgeführt worden sei. „Es gibt keinen Kontakt. Sie haben ihn an einen unbekannten Ort gebracht“, sagte sie. Nawalny soll sich gegen die Festnahme nicht gewehrt haben, berichten Reporter. Nach seiner Freilassung teilte der Putin-Kritiker bei Twitter mit: „Alles ist gut“. Der Antikorruptionskämpfer dankte für den starken Zulauf bei seinem Auftritt.

Zuvor hatten Nawalnys Anhänger beklagt, dass Uniformierte und kremltreue Kräfte die Veranstaltung gestört hätten. So sei Technik abgeschaltet worden. Zudem seien Provokateure im Einsatz gewesen.

Als scharfer Gegner von Kremlchef Wladimir Putin steht Nawalny mitten im Machtkampf um das Bürgermeisteramt in der russischen Hauptstadt. Im Juli war er in einem umstrittenen Prozess wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Haftstrafe wurde allerdings bis zu einem Berufungsverfahren ausgesetzt, um ihm die Teilnahme am Wahlkampf zu ermöglichen. Er gilt als wichtigster Gegner von Amtsinhaber Sergej Sobjanin, der vom Kreml gestützt wird. Die Opposition befürchtet, dass Nawalny vor dem Urnengang politisch kaltgestellt werden soll.

Teile des Machtlagers in der größten Stadt Europas sehen die wachsende Unterstützung für den Oppositionellen Nawalny mit Sorge. Allerdings muss Sobjanin als enger Vertrauter Putins aus Sicht von Kommentatoren keine Niederlage befürchten. Die Gegner des Amtsinhabers hoffen aber, ihn in eine Stichwahl zwingen zu können. Dazu kommt es, wenn Sobjanin nicht auf Anhieb mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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