Nach Wahlniederlage
Sarkozy legt die Rolex ab

Aufmerksame Beobachter haben es bereits gemerkt: Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat sich verändert. Selbst bei strahlendstem Sonnenschein ist keine Ray-Ban-Brille mehr auf der Nase des französischen Staatschef zu entdecken. Auch die goldene Rolex am Handgelenk ist verschwunden. Damit zieht der Präsident die Konsequenz aus seiner ersten schweren Wahlniederlage.

PARIS. Die lässigen Jeans lässt Sarkozy sogar am Wochenende zu Hause im Schrank. Dunkle Anzüge und Kravatten sind jetzt bei allen öffentlichen Auftritten angesagt. Und Jogging in der Öffentlichkeit hat sich der Hausherr des Elysée-Palastes selber streng verboten. Sarkozy hat sich vorgenommen, präsidiale Statur zu gewinnen.

Damit zieht der Präsident die Konsequenz aus seiner ersten schweren Wahlniederlage. Die Kommunalwahl am vergangenen Sonntag endete schmerzlich für den Präsidenten und seine Partei UMP. Beim ersten Wahlgang vor einer Woche konnte das konservative Regierungslager den Schaden noch in Grenzen halten, doch bei der gestrigen Stichwahl räumte die sozialistische Opposition in den Rathäusern des Landes so richtig ab. Künftig werden acht der elf größten Städte Frankreichs links regiert, darunter Toulouse, Straßburg, Lyon, Metz.

Der Verlust der südfranzösischen Stadt Périgueux wiegt besonders schwer, denn dort verlor Sarkozys Erziehungsminister Xavier Darcos. In den letzten Tagen vor der Stichwahl hatte sich der - persönlich immer noch sehr populäre - Premierminister Francois Fillon persönlich vor Ort in Wahlkampfversanstaltungen für seinen Minister stark gemacht - vergeblich. Die Sozialisten jubeln. Ihr Chef Francois Hollande hatte sich vorgenommen, der Regierungspartei UMP mindestens 30 Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern abzunehmen. Das Ziel hat er erreicht. Mit Marseille und Bordeaux konnte die UMP nur zwei große Städte für sich behalten, womit sie wenigstens das absolute Wahldebakel abwendete.

Die Regierung bemühte sich noch am Wahlabend nach Kräften, die Bedeutung des Wahlergebnisses herunterzuspielen. Es handele sich um lokale Wahlen, die für die Staatspolitik in Paris keine Bedeutung hätten, behauptete Premierminister Francois Fillon. Doch in Wahrheit haben die Regierungsstrategen im Elysée-Palast längst Schlussfolgerungen gezogen aus einer Niederlage, die seit Wochen befürchtet worden war. Diese Konsequenzen betreffen vor allem den persönlichen Regierungsstil des Präsidenten. Umfragen zufolge nehmen die Franzosen Sarkozy übel, dass er seine Liebe zum Luxus und sein Privatleben öffentlich zur Schau gestellt hat wie kein französischer Staatschef vor ihm.

Mit dem „Bling-Bling“, wie die Franzosen die neureichen Attituden des Präsidenten nennen, soll also jetzt Schluss sein. Sarkozy will seriöser auftreten als bisher und auch seltener. Der Staatschef und seine Berater wollen sich künftig aus den Niederungen der Tagespolitik heraushalten. Premier Fillon und seine Mannschaft sollen das Regierungsgeschäft managen. Der Präsident bleibt diskret im Hintergrund, repräsentiert, steuert die Außenpolitik. Im Inneren meldet er sich nur ab und zu, um die große Linie vorzugeben.

So haben es von Charles de Gaulle bis Jacques Chirac alle französischen Präsidenten gehalten, so will es Nicolas Sarkozy nun auch machen. Wobei sich selbst seine Berater nicht ganz sicher sind: Wird der als hyperaktiv bekannte Sarkozy es tatsächlich schaffen, seine überbordende Energie im Zaum zu halten und Zurückhaltung zu üben?

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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