Nach Wahlsieg

Mursi will Präsident aller Ägypter sein

In einer historischen Wahl ist Islamist Mohammed Mursi zum ersten zivilen Präsidenten Ägyptens gewählt worden. Es gab Jubelfeiern, doch die Lage bleibt angespannt. Die Militärs haben Mursis Macht stark eingeengt.
Update: 25.06.2012 - 02:56 Uhr 17 Kommentare

Mursi steht zu internationale Abkommen

Kairo/Jerusalem/WashingtonDer Islamist Mohammed Mursi, neuer Präsident Ägyptens, gibt sich zurückhaltend und umgänglich: In seiner ersten Rede bezeichnete sich der Muslimbruder am Sonntagabend als „Präsident aller Ägypter“, versprach die Einhaltung aller internationaler Verträge und würdigte mit gefühlvollen Worten die Revolution vom Januar und Februar 2011, die den Sturz des Langzeitherrschers Husni Mubarak bewirkt hatte.

„Muslime oder Christen, Männer oder Frauen, Alte oder Junge, (...), ihr seid alle meine Familie“, sagte Mursi in einer vom Staats-TV übertragenen Rede weiter.

Mursi hatte sich mit knapp 52 Prozent der Stimmen gegen seinen Mitbewerber, den ehemaligen Luftwaffengeneral und Mubarak-Minister Ahmed Schafik, durchgesetzt. Die Wahl gilt als historisch. Nach einer Abfolge von Pharaonen, Königen, fremden Statthaltern und Generälen ist der 60-jährige Mursi der erste zivile Politiker an der Spitze des ägyptischen Staates. Mit ihm erobert die vor 80 Jahren gegründete Muslimbruderschaft das erste Mal das höchste Staatsamt.

Mursi rief zugleich zur nationalen Einheit auf. Die nationale Einheit Ägyptens sei der einzige Ausweg aus „diesen schwierigen Zeiten“. Der 60-jährige islamistische Politiker würdigte die Aufständischen, deren Revolte den langjährigen Machthaber Husni Mubarak im Februar vergangenen Jahres aus dem „Amt getrieben hatte.

Mit Blick auf die rund 850 Toten des Aufstandes dankte Mursi den „Märtyrern“. Die Revolution gehe so lange weiter, bis „alle ihre Ziele erreicht“ seien, sagte Mursi.

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses brachen tausende Anhänger der Bruderschaft auf dem Tahrir-Platz in Jubel aus. Auf dem Platz im Zentrum Kairos hat vor einem Jahr der Volksaufstand gegen den langjährigen Machthaber Husni Mubarak begonnen. Mursis Anhänger schwenkten Fahnen und riefen „Allahu Akbar!“ (Gott ist groß).

Polizei und Militär waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf gewaltsame Auseinandersetzungen vorbereitet. Unmittelbar vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses war es auf den Straßen der Hauptstadt still. Die Geschäfte blieben trotz des ersten Werktags der Woche geschlossen und die Menschen in ihren Häusern.

Feierlichkeiten und Forderungen, in Ägypten und weltweit
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17 Kommentare zu "Nach Wahlsieg: Ägyptens Präsident Mohammed Mursi gibt sich zurückhaltend"

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  • Bin ich der einzige Mensch der sich fragt, warum gerade jetzt fundamentalistische Islamisten in Ägypten, Syrien und Libyen mit westlicher Unterstützung die Macht übernehmen? Wie passend, dass gerade in Griechenland eine Staatskrise herrscht. Italien, Spanien und Portugal stehen ja auch kurz davor.

    Ich bin ja kein Militärstratege, aber wenn ich einer wäre und so etwas geplant hätte, dann hätte ich etwas großes vor.

  • Wird unser süßer Außenminister seinen Freund mitnehmen, wenn er zur Gratulation nach Kairo fliegt? Ich hoffe ja.

  • Auch der letzte Dummbeutel wird es irgendwann kapieren. Ich gebe jedenfalls die Hoffnung nicht auf.
    Obwohl ......
    Angela Merkel, Renate Künast oder Claudia Roth würde ich in einem Ganzkörperkondom gerne mal sehen .....
    Pfui, ich Böser !!!!!

  • Das sind die Fun-Freunde, die plötzlich gelegentlich ohne Kopf im Sand liegen ...... aber jedem das Seine, da darf man nicht diktatorisch sein :-)

  • Und das hier noch für alle, die noch nicht wirklich wissen, was es geschlagen hat:

    http://www.youtube.com/watch?v=QI3wG3loKlA&feature=youtu.be

  • Schön wärs @scubapro...
    Mein Cousin war selbst während des arabischen Frühlings,
    mit seiner Crew dort am tauchen..soll voll gewesen
    sein..Von Politik wollen sich die meisten nicht stören
    lassen,wenn es um ihren Spaß geht.

  • Nach den Malediven, dass nächste Tauchparadis, in dem sich die Natur die nächsten Jahre erhohlen darf.

  • Ich hab von sämtlichen Bruderschaften dieser Welt genug..
    Das hat nur Leid und Elend gebracht..ganz besonders,
    wenn Muslim vor dem Bruder steht..
    Auch vor sozialistischem Bruderjuß,sollte man sich in
    acht nehmen..Was in deren Namen bisher geschah,da sei
    Stalin vor..
    Mir tut es nur leid um die Frauen,die diese Revolution
    unter Gefahr mitgetragen haben und sich nun ständig
    vermehrt gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr setzen müssen..
    Bruderschaften ade..

  • Und was kommt jetzt? Blühende Landschaften und Arbeit für alle? Die Unzufriedenheit und Unruhen werden weiter gehen. Mubarak hat mit Unterstützung des Westens ein "Stillhalteabkommen" mit Israel. Das war zwar kein Garant, aber doch ein Stützfeiler für Ruhe in der Region. Warum der Westen jetzt die Kräfte unterstützt, die das eigentlich nicht wollen, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Mich erinnert viel an ein Lied aus den 1960er Jahren von Conny Francis: "Heißer Sand und verlorenes Land und ein Leben in Gefahr. Heißer Sand und die Erinnrung daran, dass es einmal schöner war."...Damals ging es auch um Nordafrika.

  • Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen! Wenn Sie dieser Bruder Sie dann mit Seiner Scharia beglückt, werden Sie vielleicht etwas klüger sein. Nein im Ernst: Wo diese bärtigen Brüder auftauchen, gibt es für alle anderen nur noch die Möglichkeit der Flucht. Wir kennen diese Leute. Schreiben Sie keinen solchen Schmarren mehr! Oder leben Sie mal ein paar Jahre dort.

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