Nach Yukos erhalten weitere Unternehmen hohe Steuernachforderungen – Auch Vimpel soll zahlen
Russland setzt Konzerne unter Druck

Der Kreml greift Russlands Wirtschaft immer stärker an. Wenige Tage vor der durch Milliarden-Steuernachforderungen erzwungenen Zwangsversteigerung der Fördertochter Yuganskneftegaz (YNG) des Ölkonzerns Yukos werden jetzt auch andere Konzerne des Landes von den Steuerbehörden unter Druck gesetzt. Durch Steuernachforderungen in dreistelliger Millionen-Höhe gegen den zweitgrößten russischen Mobilfunker, Vimpel Communications, stürzten russische Aktien am Mittwoch so stark ab, wie noch nie in diesem Jahr.

HB MOSKAU. Am Donnerstag gab der russische RTS-Leitindex weiter nach. „Die Einmischung des Staates in private Unternehmen wird immer stärker“, begründete Dimitrij Rojenko von der Moskauer Investmentgesellschaft Olma den Ausverkauf.

Gestern hat die Yukos-Tochter Tomskneft neue Steuernachforderungen in Höhe von 114 Mill. Dollar vorgelegt bekommen. Damit beläuft sich die Abgabenforderung gegen Russlands größten Ölexporteur nunmehr auf mehr als 20 Mrd. Dollar. Vimpel Communications soll umgerechnet fast 160 Mill. Dollar für das Jahr 2001 nachzahlen. – bei einem Reingewinn von nur 47,3 Mill. Dollar. Analysten wie Sergej Resnik von der MDM-Bank rechnen mit weiteren Bescheiden für die Folgejahre von insgesamt 500 Mill. Dollar.

Die Steuernachforderungen gegen den Mobilfunker seien ein Angriff auf den Oligarchen Michail Fridman, der eine Sperrminorität von 25 Prozent plus zwei Aktien an Vimpel hält, sagten Marktteilnehmer. Größter Vimpel-Anteilseigner ist der norwegische Telekommunikationskonzern Telenor mit 25 Prozent plus 13 Aktien

.

Fridman gilt als Gegner des russischen Telekommunikationsministers Leonid Reiman, der laut Branchenkreisen mehrheitlich hinter dem drittgrößten russischen Mobilfunkbetreiber, Megafon, stecken soll. Fridmans Alfa-Gruppe hatte sich bei Megafon eingekauft und seither hat Vimpel große Probleme mit der Aufsichtsbehörde. Da Alfa auch Großaktionär des britisch-russischen Ölkonzerns TNK-BP ist, rechnen Beobachter in Moskau damit, dass zu ersten moderaten Steuernachforderungen gegen den Ölförderer in Kürze weitere kommen könnten.

Zugleich gehen die Behörden auch gegen den Stahlkonzern Mechel vor. Ausgerechnet in den Tagen vor dem Verkauf des letzten Staatsanteils an Russlands führendem Stahlhersteller, Magnitogorsk MMK, durchsuchten Beamte die Büros des Konkurrenten. Mechel hatte zuvor erklärt, an der MMK-Privatisierung teilnehmen zu wollen und hatte zur Kapitalbeschaffung einen Teil der Aktien an der Wall Street platziert.

Die Angriffe auf Mechel und Vimpel seien „ein Signal, dass sich das Yukos-Szenario jetzt bei anderen Unternehmen wiederholt”, kommentierte das Moskauer Wirtschaftsblatt „Wedomosti”. Dabei „bräuchten Investoren dringend ein Signal, dass Yukos ein Einzelfall ist”, sagte Iosif Bakalejnik vom Aluminiumkonzern Sual-Holding.

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