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Nach zweitägigem Verhör: Strauss-Kahn ist wieder auf freiem Fuß

Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn ist nach dem Verhör wegen seiner Beteiligung an illegalen Sex-Partys wieder frei. Unklar bleibt, ob Frankreichs Justiz ihn anklagen wird. Eine richterliche Vorladung hat er aber bereits.

Dominique Strauss-Kahn bei seiner Ankunft in Lille am Dienstag. Quelle: dapd
Dominique Strauss-Kahn bei seiner Ankunft in Lille am Dienstag. Quelle: dapd

ParisNach zweitägigem Verhör-Marathon wegen seiner Beteiligung an illegalen Sex-Partys ist der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wieder ein freier Mann. Auf TV-Bildern war am Mittwochabend zu sehen, wie er unter großem Medieninteresse in einer dunklen Limousine die Gendarmeriekaserne der Stadt Lille verließ. Unklar blieb, ob die Behörden gegen ihn zu einem späteren Zeitpunkt ein Anklageverfahren eröffnen werden.

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Nach Informationen des TV-Nachrichtensenders BFM hat er eine richterliche Vorladung erhalten. Bei dem Termin dürfte ihm eröffnet werden, ob gegen ihn ein Anklageverfahren eingeleitet wird oder nicht. „Jetzt sind die Dinge in den Händen der Richter“, erklärte Strauss-Kahns Anwältin nach dem Verlassen der Kaserne vor laufenden TV-Kameras. Ihr Mandant habe alle Fragen ausführlich beantwortet. Positiv wertete sie die Tatsache, dass er nun wieder frei sei.

Der 62-Jährige steht unter dem Verdacht, als regelmäßiger Kunde von Prostituierten an schwerer bandenmäßiger Zuhälterei beteiligt gewesen zu sein. Nach Einschätzung der Ermittler könnte er zudem von veruntreuten Firmengeldern profitiert haben. Die Vernehmungen des ehemaligen französischen Spitzenpolitikers hatten bereits am Dienstagvormittag begonnen. Bei der Callgirl-Affäre stehen auch ranghoher Polizeichef, dubiose Manager und Geschäftsleute im Visier der Justiz.

Im Falle Strauss-Kahn ging es vor allem um die Frage, ob der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei seiner Teilnahme an gesponserten Sex-Partys in Paris, Brüssel und Washington wusste, dass die Frauen Prostituierte waren. Sollten die Ermittler eindeutige Hinweise darauf gefunden haben, droht Strauss-Kahn ein Anklageverfahren. Nach offiziell unbestätigten Medienberichten war er bei seiner Version der Ereignisse geblieben. Demnach gab er zwar eine Teilnahme an den Partys zu, nicht jedoch die Kenntnis von deren Finanzierung beziehungsweise der Teilnahme von Prostituierten.

Der TV-Sender BFM berichtete zudem unter Berufung auf Ermittlerkreise, Strauss-Kahn habe erklärt, dass die Anwesenheit des in die Affäre verstrickten Polizeichefs bei ihm nie den Gedanken an Prostituierte bei den Sex-Partys habe aufkommen lassen.

Eine andere Sex-Affäre hatte Strauss-Kahn im Vorjahr sämtliche Zukunftspläne gekostet. Nach Vergewaltigungsvorwürfen eines New Yorker Zimmermädchens musste er nicht nur den IWF-Chefposten, sondern auch seine Hoffnungen auf die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten aufgeben. Die US-Justiz stellte das strafrechtliche Verfahren zwar wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau ein, eine zivilrechtliche Klage ist aber noch anhängig.

  • 23.02.2012, 01:31 UhrAnonymer Benutzer: Bunga

    Wie Sie sehen, steht Ihr Kommentar noch immer da. Wäre das in Frankreich problematisch?

    Man stelle sich mal vor, diesem Mann wäre das "Ungeschick" in USA nicht passiert, er hätte beste Chancen gehabt, Sarkozy abzulösen, weil bis dato hochgeachtet.

    Manchmal sind Zufälle wirklich Glücksfälle.

  • 23.02.2012, 01:22 UhrAnonymer Benutzer: Bunga

    "Eau_de_Javel"
    steht für Säuberung, das könnte man vielfältig einsetzen.

    Nur im Machtspiel, ist der Nächste sauberer als der Vorige? Das stellt sich oft erst im Nachhinein heraus.

    Mit Hollande wollte ja Merkel bei ihrem Besuch in Frankreich nicht sprechen, alles den Vereinbarungen der gegenwärtigen Schuldenproblematik geschuldet. Denn was macht man dann mit dem Neuling, spielt der mit auf dem eingeschlagenen Pfad?

  • 23.02.2012, 01:09 UhrAnonymer Benutzer: Bunga

    Hoffentlich geht es dem ehemals sehr Hochgestellten, der meinte sich alles erlauben zu können, moralisch gesehen, jetzt doch mal heftig an den Kragen.
    Der ist wirklich überfällig wie sein italienisches Bunga-Konterfei.

    Leider können solche Leute die teuersten Anwälte bezahlen, die sie immer wieder raushauen.

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