Nach zwölf Stunden wieder frei
Irakischer Vizeminister verschleppt

Der stellvertretende irakische Energieminister Raed al Hares ist am Dienstag entführt, nach mehreren Stunden aber wieder freigelassen worden. Unterdessen lehnte US-Präsident Bush die Festlegung auf einen Abzugstermin der amerikanischen Truppen in dem Land ab.

HB BAGDAD. Unbekannte hatten den Vize-Minister für Elektrizität, Raad al-Harith, mitsamt seiner 19 Leibwächter in Bagdad auf offener Straße verschleppt, wie die Polizei mitteilte. Nur zwölf Stunden später setzten sie den Politiker und sieben seiner Bewacher dem Innenministerium zufolge wieder auf freien Fuß. Über das Schicksal der übrigen Leibwächter wurde zunächst nichts bekannt. Erst am Wochenende war in Bagdad eine sunnitische Abgeordnete mit ihren Leibwächtern entführt worden.

Der Konvoi des Vize-Ministers sei im Osten der Hauptstadt Bagdad von mehreren Bewaffneten in Militäruniform angegriffen worden, teilte die Polizei mit. Demnach lauerten die Angreifer dem Politiker mit bis zu sieben Fahrzeugen auf und blockierten dessen Weiterfahrt, bevor sie ihn in ihre Gewalt brachten. Ob es bei dem Überfall Tote und Verletzte gab, war zunächst nicht bekannt.

Der US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, erklärte, der Tod des irakischen Al-Kaida-Anführers Abu Mussab al-Sarkawi bei einem US-Luftangriff im Juni habe die Sicherheitslage nicht verbessert. „Was das Niveau der Gewalt betrifft, hat es bisher keine Auswirkungen gegeben“, sagte er der BBC. Am Sonntag hatten Aufständische bei einem Bombenattentat in Sadr-Stadt, einer Hochburg der Mehdi-Miliz des radikalen schiitischen Geistlichen Moktada al-Sadr, zahlreiche Menschen getötet.

Bei einer Zeremonie anlässlich des US-Nationalfeiertags sicherte Khalilzad der irakischen Regierung die Unterstützung der USA zu. Gleichzeitig forderte er, die Iraker sollten „so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen“.

Iraks schiitischer Ministerpräsident Nuri al-Maliki sagte, er habe auf einer Reise durch die von Sunniten regierten Golfstaaten die Zusage erhalten, Finanzquellen des sunnitischen Aufstandes im Irak künftig entschiedener zum Versiegen zu bringen. „Wir stimmen mit unseren Brüdern darin überein, den Terrorismus zu bekämpfen“, erklärte Maliki in Abu Dhabi.

Mitglieder der von Schiiten dominierten Regierung im Irak sind häufig das Ziel von Anschlägen im Land. Der Aufstand wird von radikalen Sunniten getragen, die die von den USA unterstützte Regierung stürzen wollen. Die Regierung hatte bei ihrem Amtsantritt der Gewalt den Kampf angesagt und kürzlich einen Versöhnungsplan vorgelegt.

Al-Kaida-Extremisten haben wiederholt allen Sunniten mit dem Tod gedroht, die sich am politischen Wiederaufbau im Irak beteiligen. Sunniten führten unter dem gestürzten Präsidenten Saddam Hussein das Land. Die jetzige Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Maliki hat in ihrem jüngst vorgestellten Versöhnungsplan die Religionsgruppe zur Mitarbeit aufgerufen.

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