Nachfolger von Wolfensohn
Wolfowitz wird neuer Weltbankpräsident

Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz wird neuer Präsident der Weltbank. Der Exekutivrat der Bank, in dem die 184 Mitgliedsländer durch 24 Direktoren vertreten sind, wählte den 61-Jährigen nach längerer Diskussion einstimmig auf den Spitzenposten.

HB WASHINGTON. Wolfowitz tritt am 1. Juni die Nachfolge von James Wolfensohn an, der nach zehn Amtsjahren in den Ruhestand geht. Die Nominierung von Wolfowitz durch die US-Regierung hatte vor zwei Wochen weltweit Skepsis ausgelöst. Vertreter von Hilfsorganisationen, die mit der Weltbank zusammenarbeiten, und Politiker äußerten Sorge, dass Wolfowitz der Weltbank als enger Vertrauter von Präsident George W. Bush den Stempel der US-Politik aufdrücken könnte. Er gilt als Vordenker der US-Strategie von Präventivschlägen gegen gefährliche Regime, wie sie im Irak umgesetzt wurde. Das mache ihn an der Spitze einer multilateralen Organisation inakzeptabel, hieß es. Bundeskanzler Gerhard Schröder räumte ein, Wolfowitz' Ernennung habe in Europa „keine Begeisterung“ ausgelöst.

Wolfowitz hatte sich in den vergangenen Tagen aber die Unterstützung der wichtigsten Beitragszahler gesichert. Er war unter anderem im Brüssel mit europäischen Entwicklungspolitikern zusammengetroffen, die sich zufrieden über seine programmatischen Vorstellungen äußerten. Wolfowitz versicherte in Brüssel, er glaube zutiefst an die Aufgabe der Bank: „Menschen zu helfen, die in Armut leben, ist eine noble Aufgabe.“ Er versichte in Zeitungsinterviews: „Viele Leute denken, ich will die Weltbank auf den Kopf stellen. Aber das ist nicht mein Stil.“

Im Chefsessel der Weltbank sitzt traditionell ein Amerikaner, bei der Schwesterorganisation, dem Internationalen Währungsfonds (IWF), ein Europäer. Entwicklungsländer kritisieren diese Tradition seit Jahren. Vertreter von 108 Entwicklungs- und Schwellenländern forderten am Donnerstag noch einmal, Spitzenposten nach Qualifikation der Kandidaten und nicht nach deren Nationalität zu vergeben. Mit dieser Forderung können sie sich aber nicht durchsetzen. In den Finanzorganisationen werden die Stimmrechte nach Höhe der Beiträge verteilt. Die USA, Japan und Europa haben dadurch rund ein Drittel der Stimmen sicher und stemmen sich gegen eine Reform.

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