Nachgefragt: Ashraf Ghani
Afghanischer Finanzminister dringt auf Garantien

Der afghanische Finanzminister Ashraf Ghani hat die Bundesregierung im Gespräch mit Handelsblatt-Redakteur Markus Ziener aufgerufen, deutsche Investitionen in seinem Land zu erleichtern. Das Interview im Wortlaut:

Hohe Hilfen wurden Afghanistan versprochen. Haben Sie dieses Geld auch erhalten?

Wir sind Weltmeister bei der Umwandlung von Zusagen in Verpflichtungen. Die Zusagen der Geberkonferenz in Tokio 2002 sind mit einer Quote von 104 Prozent sogar übererfüllt worden. Natürlich benötigt die anschließende Umsetzung von Projekten Zeit. Da muss evaluiert, da muss der richtige Partner gefunden werden. Aber ja, wir sind mit den Gebern sehr zufrieden. Die Europäische Union etwa unternimmt große Anstrengungen, um uns zu unterstützen.

Dann sind die vielen Berichte über eine nur schleppende Umsetzung also falsch ...

Die humanitäre Hilfe, die wir bekommen haben, beträgt alleine 1,6 Mrd. $. Und all dieses Geld ist ausgegeben worden. Ein anderes Beispiel: Von der Weltbank haben wir 900 Mill. $ erhalten für Umsetzungsmaßnahmen. Aber das heißt natürlich nicht, dass dieses Geld in einem Tag verbraucht ist.

Ihre Regierung hat berechnet, dass das Land in den nächsten sieben Jahren 27,5 Mrd. $ benötigt. Das ist eine stolze Summe.

Tatsächlich ist dieser Betrag sehr klein. Für ein Land von der Größe Afghanistans ist das nichts. Es ist deshalb nicht korrekt, davon zu sprechen, dies sei viel Geld. Es ist in Wahrheit der niedrigste Pro-Kopf- Betrag, der für ein Land ausgegeben werden müsste, das gerade einen Krieg hinter sich hat. Außerdem handelt es sich dabei nicht nur um eine Investition in Afghanistan sondern in die gesamte Region. Schließlich spart man sich damit auch Geld. Denn vergessen Sie nicht, dass die internationale Gemeinschaft zur Zeit 14 Mrd. $ jährlich alleine in die Sicherheit investiert. Außerdem: Wir fordern nicht 27,5 Mrd. $. Das ist lediglich die Summe, die wir nach unserer Einschätzung benötigen.

Investoren klagen immer wieder über Korruption in Afghanistan. Stimmen diese Vorwürfe?

Wenn es um Hilfsgelder geht, dann können wir sagen, dass es praktisch keine Korruption gibt. Wir haben internationale Firmen, die das kontrollieren. Aber richtig ist, dass es Korruption bei der Verwendung öffentlicher Gelder gibt oder bei der Erteilung von Genehmigungen. Hier müssen wir dringend unsere Bürokratie reformieren, die dieses System noch begünstigt und die Beamten dazu verleitet.

Viele US-Firmen scheinen bei den Investitionen die Nase vorn zu haben. Wo bleiben die anderen Ausländer, etwa auch die Deutschen?

Wir haben absolut keine Präferenz. Wir sind an Projekten aus jedem Land interessiert, speziell auch aus Deutschland. Aber die deutsche Regierung muss hier wirklich beschleunigt an dem Thema der Risikoabsicherung, also Hermes-Garantien, arbeiten. Die USA bieten solche Absicherungen für amerikanische Firmen an. Wir haben schon mehrfach die deutsche Regierung in dieser Sache angesprochen. Und Risikogarantien sind heute eben ein wichtiges Instrument.

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