Nachgefragt: August Hanning
Hanning: „Der prinzipielle Fehler wurde 2001 begangen“

Die Bedrohung durch den Terrorismus scheint nicht zurückzugehen. "Terroristen werden professioneller", bestätigt auch August Hanning, Präsident des Bundesnachrichtendienstes, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Handelsblatt: Herr Hanning, die Bedrohung durch den Terrorismus scheint nicht zurückzugehen, sondern zu steigen: Jetzt sollen den Diensten sogar die Buchungsdaten von Reisebüros überstellt und alle Internet-Bewegungen ein oder gar drei Jahre lang gesammelt werden.

Hanning: Die Reisebüro-Buchungen interessieren uns weniger. Aber die Terroristen nutzen die moderne Kommunikations-Infrastruktur. Unsere Aufgabe muss es deshalb sein, computergestützte Bewegungsbilder anhand der analysierten Informationstechnik herzustellen: Wer hat mit wem, wann telefoniert, welche Kontakte ergeben sich daraus. Vergessen Sie nicht die Fälle in Madrid und Istanbul. Anhand der Verbindungsdaten sind wir den Attentätern auf die Spur gekommen. Deshalb ist die Speicherung solcher Daten so wichtig. Auch für die Lage in Deutschland ist das entscheidend. Es werden immer mehr Strukturen aus Nahost hier zu Lande aufgebaut. Da wollen wir schon wissen: Wer treibt sich hier herum, weshalb sind die hier, wer steht mit wem im Kontakt.

Der Terror in Irak dauert, wie wir am Wochenende wieder erfahren mussten, an. Lässt sich die Lage in Irak unter Kontrolle bringen?

Ich denke, dass dies mittelfristig der Fall sein wird. Die Aufgabe wird dadurch erheblich erschwert, dass sich die Terrororganisation Bin Ladens, El Kaida, verstärkt auf Irak konzentriert. Die Islamisten gehen davon aus, dass die USA dort leichter zu treffen, dass sie verwundbarer sind. Der jüngste Anschlag auf Abu Graib hat uns allen belegt, dass die Angriffe der Terroristen immer professioneller und gefährlicher werden. Es geschieht dort Ähnliches wie beispielsweise in Tschetschenien. Sie setzen Leute mit sehr viel Erfahrung aber auch fanatischem, islamistischem Antrieb ein. Das ist ein hohes Gefährdungspotenzial. Auch deshalb brauchen die USA die Unterstützung Europas bei dieser Aufgabe.

Die USA warnen jetzt vor einer angeblichen neuen, großen Terrorgefahr durch Bio-Waffen. Wir haben vom BND noch keine Warnung vernommen.

Die internationale Fachwelt ist von der Möglichkeit, dass Terroristen Bio-Waffen als Terrormittel einsetzen könnten, nicht verschreckt. Es gibt dafür in jüngster Zeit keine konkreten Anhaltspunkte, über die wir verfügen. Generell wird das nicht als das größte Bedrohungspotenzial angesehen. Im Gegensatz dazu bereiten uns die konventionellen Waffen weitaus mehr Sorge, übrigens auch mehr als uns etwa chemische oder nukleare Waffen beunruhigen.

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