Nachgefragt: Axel Weber
„Steigt der Preisdruck, so handeln wir“

Bundesbank-Chef und EZB-Ratsmitglied Axel Weber Spricht äußert sich im Interview über eine mögliche Zinserhöhung der EZB und die Konjunkturaussicht.

In der Politik der Europäischen Zentralbank schwingt das Pendel offenbar wieder in Richtung einer Zinserhöhung. Stimmt das?

Weber: Im jetzigen wirtschaftlichen Umfeld ist die Geldpolitik angemessen, jedoch hat sich in jüngster Zeit der Ausblick für die Preisstabilität etwas eingetrübt. Denn der Ölpreisanstieg und das kräftige Wachstum der Geldmenge wie auch der Kreditvergabe signalisieren Inflationsrisiken auf mittlere Sicht. Nach wie vor sind die Inflationserwartungen auf niedrigem Niveau stabil. Wir sehen noch keine ölpreisbedingten Zweitrundeneffekte. Das liegt auch daran, dass die Lage am Arbeitsmarkt schwach ist und die Unternehmen höhere Kosten nur schwer weiter geben können.

Ist nicht auch der Konjunkturausblick etwas trüber geworden?

Weber: Das Risiko einer konjunkturellen Abschwächung im kommenden Jahr ist im Euroraum und in Deutschland nicht von der Hand zu weisen. Das binnenwirtschaftliche Wachstum dürfte – kalender- und saisonbereinigt – in diesem Jahr bei etwa einem Prozent und damit unter dem Potenzialwachstum liegen, das wir bei etwa 1,5 Prozent sehen.

Was macht Ihnen mehr Sorgen?

Weber: Sollte der von außen kommende Preisdruck überschwappen und sich in den Lohnverhandlungsrunden niederschlagen, werden wir handeln müssen, um die mittelfristige Stabilität der Preise zu sichern. Kurzfristige Preisverzerrungen etwa durch höhere Ölpreise sind dagegen für die Geldpolitik nicht so Besorgnis erregend.

Zehnjährige Bundesanleihen rentieren extrem niedrig. Platzt die Zinsblase?

Weber: Eine Blase am Rentenmarkt ist nicht eindeutig auszumachen. Die vorhandene Liquidität ist reichlicher als für ein inflationsfreies Wachstum notwendig. Das trägt zum starken Wachstum der Kredite bei, die an private Haushalte vergeben werden. Doch entscheidend ist, ob und inwieweit die Überschußliquidität den Anstieg der Konsumentenpreise oder auch der Vermögenspreise antreibt. Für den Euroraum als Ganzes sehen wir jedoch keine übertriebene Vermögenspreisentwicklung. Bei Immobilien ist allerdings in einigen Regionen die Preisdynamik erheblich, was zum Teil auch an nationalen Regelungen zur Förderung des Immobilienerwerbs liegt. Hier muss es über die Zeit zu Preiskorrekturen kommen, die möglichst nicht abrupt verlaufen sollten.


Das Gespräch führten Robert Landgraf und Michael Maisch.

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