Nachgefragt: Brunson McKinley
McKinley: „Nach Europa nur durch die Eingangstür“

Viele Menschen in Europa haben Angst vor Einwanderern. Das Handelsblatt sprach mit Brunson McKinley, dem Generaldirektor der Internationalen Organisation für Migration in Genf über mögliche Gründe.

Handelsblatt: Warum haben so viele Menschen in Europa Angst vor Einwanderern?

McKinley: Es ist die Angst vor dem Wandel. Die Menschen haben Angst, dass ihr gewohntes Leben durch Migranten umgekrempelt wird. Gleichzeitig wissen die meisten Menschen in Europa und anderen reicheren Gebieten aber auch, dass die meisten Einwanderer viel für Wirtschaft und Gesellschaft leisten. Denken Sie an die ausländischen Ärzte in den Krankenhäusern.

Hat der Terrorismus die Angst vor den Fremden verstärkt?

Vielleicht. Es könnte da ein Element sein, das aber sehr irrational ist. Wir müssen unterscheiden zwischen den Menschen, die in einem anderen Land einen Job suchen, und den Leuten, die etwas im Schilde führen, den möglichen Terroristen.

Die USA haben verschärfte Einreisebestimmungen erlassen. Jeder Besucher muss seine Fingerabdrücke geben. Werden die Grenzwälle für Migranten höher?

Ich bin schon etwas besorgt. Die striktere US-Politik könnte unerwünschte Nebenwirkungen haben. Reisende, Migranten könnten von einem Aufenthalt in den USA abgeschreckt werden. Gerade die USA als größte Volkswirtschaft der Welt leben aber vom Kontakt mit anderen Ländern.

In Europa denkt Bundesinnenminister Otto Schily an EU-Zwischenstationen für Migranten und Flüchtlinge in Nordafrika. Was halten Sie von den Plänen?

Der Vorschlag ist noch nicht genau definiert. Es ist aber sicher eine gute Idee, wenn die Herkunftsländer, die Transitländer und die Zielländer kooperieren. Damit soll der Zustrom von Menschen aus den illegalen Bahnen in legale Bahnen geleitet werden.

Welche Leute wären denn von dem Schily-Konzept betroffen?

Wir müssen strikt unterscheiden zwischen Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten. Es geht hier nicht um Flüchtlinge, in deren Land Krieg herrscht. Flüchtlinge sind nach dem Völkerrecht geschützt. Es geht um die große Zahl von Wirtschaftsmigranten. Sie sollen wissen: Der einzige legale Weg nach Europa ist der Weg durch die Eingangstür.

Wie viele Wirtschaftsmigranten kommen über das Mittelmeer nach Europa?

Das weiß niemand genau, es könnte im Jahr eine Million sein.

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