Nachgefragt
Dieter Zetsche: „Die Psyche nachhaltig verändert“

Dieter Zetsche, Chef der Chrysler-Group, über die geänderten Bedingungen bei Autoproduktion und -verkauf nach dem 11. September 2001.

Handelsblatt: Was ist in den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hängen geblieben?

Dieter Zetsche: Die Attentate haben das Bewusstsein und die Psyche der Bevölkerung nachhaltig verändert. Davor gab es in diesem Land so gut wie keine unmittelbaren Erfahrungen mit kriegerischen Auseinandersetzungen.

Und wie hat dieser Tag die Wirtschaft verändert?

Dieser Tag war ein wichtiger Baustein, der die Wirtschaft in die Rezession kippen ließ. Insofern haben wir also auch eine langfristige Wirkung. Aber noch einmal zur Klarstellung: Der 11. September war vor zwei Jahren nur der Dominostein, die äußeren Bedingungen waren damals auch zuvor schon nicht mehr positiv.

Welche Auswirkungen gab es in den USA?

Das Marketing ist amerikanischer geworden. Aber jetzt nicht in dem Sinn, nur noch US-Produkte zu kaufen – sondern im Sinne eines Zusammenrückens, als Bekenntnis zu amerikanischen Werten. Es gibt aber auch eine Normalisierung: Die Zahl der US-Flaggen in den Autos hat sich inzwischen schon wieder deutlich reduziert.

Und was hat sich in Ihrem Unternehmen geändert?

Die Sicherheitsthematik beim Fliegen hat sich vom Grundsatz her natürlich gehalten. Allerdings ist die Zahl der Flüge im Unternehmen in etwa gleich geblieben, wir sind ein internationaler Konzern. Zudem strahlt der 11. September auf unsere gesamte Logistik-Kette aus – unmittelbar nach den Anschlägen waren doch die Lieferungen von unseren kanadischen Zulieferern ins Stocken geraten.

Mussten Sie danach in der Logistik komplett umdenken?

Nein. Aber jetzt kennen wir unsere Logistik-Strukturen sehr genau und können bei jedem Problemfall kurzfristig reagieren. Durch den 11. September haben wir viel dazugelernt und das Krisen-Management verbessert.

Wie beeinflussten die deutsch- amerikanischen Beziehungen Ihr Geschäft?

Als transatlantisches Unternehmen haben wir uns von dieser Auseinandersetzung immer sehr stark betroffen gefühlt. Stets haben wir versucht, auf beiden Seiten einen Beitrag zu leisten, der die Kluft wieder verkleinert. Signifikante Auswirkungen auf das Geschäft gab es nicht – den Boykott deutscher Autos hat es nur in Ausnahmefällen gegeben.

Das Gespräch führte Stefan Menzel.

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