Nachgefragt: Ian Anthony
„Die alten Modelle passen nicht“

Weltweit steigen die Rüstungsausgaben. Doch nach wie vor gibt es Abrüstungsinitiativen. Wie passt das zusammen? Das Handelsblatt hat nachgefragt bei Ian Anthony, Research Director am Stockholm International Peace Research Institute, Sipri.

Weltweit steigen die Rüstungsausgaben. Doch nach wie vor gibt es Abrüstungsinitiativen. Wie passt das zusammen?


Dazu muss man erst mal zwei Dinge trennen: Auf der einen Seite haben wir die Abrüstungskonferenz in Genf unter dem Schirm der Uno. Dann gibt es aber weltweit eine Reihe anderer Initiativen, die sich zum Beispiel gegen die nukleare Proliferation richten oder die Kontrolle chemischer und biologischer Waffen vorantreiben. Da geht es vor allem um multilaterale Zusammenarbeit und Exportkontrollen.

Die Staaten stecken mehr Geld ins Militär, wollen die Waffenströme aber kontrollieren?


Genau das ist der Trend. Der Fokus auf die Reduzierung von Truppen, das Verschrotten von Material, wie wir es Anfang der neunziger Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs beobachtet haben, das ist heute vorbei. Jetzt geht es vor allem darum zu verhindern, dass weitere Staaten in den Besitz von Massenvernichtungswaffen kommen.

Die Technologie dafür kann sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden. Lässt sich das denn überhaupt kontrollieren?


Bei dem zurzeit laufenden Umbau der Armeen hin zu mehr Vernetzung und Informationstechnologie ist das schwer: Für die Technologien, die man dafür braucht, also Sensoren, Chips oder Kommunikationstechnik, gibt es keine Kontrollinitiativen. Das will offenbar niemand. Es ist schwer, Kategorien dafür festzulegen. Die in der Vergangenheit entwickelten Modelle der Rüstungskontrolle passen darauf nicht mehr.

Also ist keine Kontrolle oder Begrenzung möglich?


Doch schon. Man braucht nur ein anderes System. Ich glaube aber, dass es dann eine Menge Widerstand der Länder geben würde, die sich gerade mit der Transformation ihrer Armeen befassen.

Die Rüstungsindustrie muss keine Einschnitte fürchten?


Zumindest nicht die in den USA und Westeuropa. Vor allem in Europa gelten schon seit Jahren Verbote chemischer oder biologischer Waffen. Nur zwei Länder haben Nuklearwaffen. Da gibt es nichts, was reduziert werden müsste. Im Gegenteil: Vor allem wegen der Gefahr der Proliferation muss Geld in den Schutz gegen diese Waffen gesteckt werden. Diese Investitionen werden sicher in Zukunft noch steigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%