Nachgefragt: Jeffrey Gedmin: "Kerry wäre ideal für die Europäer"

Nachgefragt: Jeffrey Gedmin
"Kerry wäre ideal für die Europäer"

Aus Sicht der Europäer wäre Kerry der ideale US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Das sagte Jeffrey Gedmin, Leiter des Aspen-Instituts in Berlin, dem Handelsblatt.

Handelsblatt: Herr Gedmin, für wie groß halten Sie die Chancen, dass sich Kerry bei der demokratischen Nominierung des Präsidentschaftskandidaten durchsetzt?

Jeffrey Gedmin: Ich würde sagen, seine Chancen liegen bei 80 Prozent. Sicher muss man noch abwarten, ob Howard Dean nicht in einem wichtigen Bundesstaat wie Kalifornien gewinnt.

Und was bedeutet das für das Duell mit US-Präsident George W. Bush?

Kerry ist sicher nicht Bushs Wunschgegner – das wäre eher Dean. Denn Kerry gibt sich als erfahren, war in Vietnam und spricht ganz bewusst nationale Sicherheitsthemen an. Man muss mit Vorhersagen sicher vorsichtig sein: Aber ernst zu nehmen ist Kerry auf jeden Fall. Viel wird davon abhängen, ob Bush die Themen Arbeitslosigkeit und die Entwicklung im Irak zu schaffen machen werden.

Was würde sich denn unter einem Präsidenten John Kerry in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten ändern?

Vor allem der Stil und der Ton. Kerry wäre sicher für die Europäer der ideale Mann. Als Diplomatensohn hat er einen Teil seiner Jugend in Europa verbracht. Er spricht Französisch und schätzt die Uno.

Würde dies auch einen inhaltlichen Wechsel der Politik bedeuten?

Zum Teil, Kerry würde wohl versuchen, stärker mit einer multilateralen Abstimmung vorzugehen. Ich glaube aber nicht etwa, dass er die US-Truppen aus dem Irak abziehen würde. Auch Kerry würde im Übrigen sagen, dass die USA im Bedrohungsfall handeln müssten, selbst wenn die Uno-Zustimmung fehlt.

Womit wäre diese Politik dann zu vergleichen?

Sicher am ehesten mit der von Bill Clinton. Man sollte sich daran erinnern, dass die Debatte über die „Hypermacht“ USA unter dessen Amtszeit begann, nicht unter Bush. Im Übrigen muss man eines bedenken – selbst wenn dieser im Amt bliebe, würde die US-Außenpolitik in den nächsten Jahren einen multilateraleren Anstrich bekommen. In Washington haben viele begriffen, dass man im Irak zwar mit dem Sturz des Diktators das Richtige gemacht hat, es aber Fehler in der Art und Weise des Vorgehens gab.

Die Fragen stellte Andreas Rinke.

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