Nachgefragt: Martin Wansleben
„Geschäfte sind sehr erfreulich“

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben, über die wirtschaftlichen Beziehungen zu dem islamischen Staat.

Nach der Niederlage für die Reformer will die EU jetzt möglicherweise ihre Iran-Politik ändern. Was kann das bedeuten?

Es ist jetzt noch zu früh um dies beurteilen zu können. Ich hoffe natürlich, dass es nach der Wahl nicht zu Beeinträchtigungen im Wirtschaftsleben kommt. Denn das wäre für das Land insgesamt ein Rückschritt.

Werden die Konservativen die iranische Wirtschaftspolitik ändern?

Bisher gibt es dafür keine Signale. Und es ist derzeit nicht absehbar, dass Gesetze rückgängig gemacht werden. Es ist vielmehr durchaus denkbar, dass der wirtschaftliche Öffnungskurs fortgesetzt wird. So ist zum Beispiel mit Zustimmung der Konservativen eine Neuordnung der Steuergesetze erfolgt und ein Investitionsschutzgesetz verabschiedet worden.

Die deutschen Geschäfte mit dem Iran laufen also gut?

Ja, die Handelszahlen sind in den letzten Jahren sehr erfreulich gewesen. In den ersten 10 Monaten des letzten Jahres haben sich die deutschen Exporte in den Iran um 20 % erhöht. Das ist ein Trend, der jetzt schon über bereits drei Jahre anhält – mit jährlichen Steigerungen von durchschnittlich 20 %. Wir werden das Jahr 2003 sicherlich mit über 2,5 Mrd. Euro deutscher Exporte in den Iran abschließen. Das ist ausgesprochen positiv.

Was sind die Gründe für diesen Anstieg?

Das hängt natürlich zum einen mit der guten finanziellen Lage des ölreichen Iran zusammen. Aber daneben spielt eine Rolle, dass sich deutsche Produkte im Iran großer Beliebtheit erfreuen. Wir können da auf eine lange Tradition zurückblicken. Gerade deutsche Qualitätsprodukte und Ingenieurleistungen genießen einen exzellenten Ruf.

Können Sie Beispiele nennen?

Ja, so liefert beispielsweise ein deutsches Unternehmen jährlich 500 gasbetriebene Autobusse nach Teheran. Die Millionenmetropole braucht diese, weil sie so massiv unter der Luftverschmutzung leidet. Ein anderes deutsches Unternehmen verkauft Getriebe für den iranischen Automobilsektor, der ebenfalls ein dynamisch wachsender Markt ist. Gleiches gilt für den Kraftwerksbau, wo es Verträge über die Lieferung von Turbinen gibt.

Fördert der iranische Staat dies?

Ja: Das Industrieministerium etwa will den Maschinenbestand im Textilbereich erneuern. Alleine hier werden jährlich 500 Mill. $ bereitgestellt, um einzukaufen. Traditionell sind das deutsche Maschinen. Vom Iran-Geschäft profitieren wir also durchaus. Deutschland liegt mit 270 Mill. $ auf dem ersten Platz bei den ausländischen Investoren in Iran.

Dass der Iran investieren kann, liegt aber auch an der gut gefüllten Staatskasse...

...Ja, hier hat der Iran seine Finanzposition deutlich verbessert. Nehmen Sie nur die Auslandsverschuldung. Die lag 1994 noch bei 22,6 Mrd. $. Inzwischen ist die Außenschuld auf 7,5 Mrd. $ gesunken, während gleichzeitig die Devisenreserven des Landes auf über 15 Mrd. $ geklettert sind.

Erlöse, die dem hohen Ölpreis zu verdanken sein dürften...

Die Ölpreise der Vergangenheit haben dem Iran finanziell natürlich kräftig unter die Arme gegriffen. Daraus erklärt sich, dass das Land eine Reihe von Infrastrukturprojekten anpacken will. Dazu gehören die Großaufträge Metrobau in Teheran und Maschad, auch der Flughafen der Hauptstadt soll modernisiert werden. Daneben gibt es noch eine Reihe von Straßenbauprojekten.

Die Fragen stellte Markus Ziener.

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