Nachgefragt: Teo Ming Kian
„Asien hat den Test bestanden“

Asiens Krisenjahre scheinen vorüber zu sein. Der Vorsitzende des Economic Development Board in Singapur, Teo Ming Kian, bestägtigt einen soliden Wachstumskurs im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Handelsblatt: Befindet sich Asien wieder auf einem soliden Wachstumskurs?


Teo Ming Kian: Ich glaube schon. Die Jahre nach der Finanzkrise 1997/98 waren sehr problembelastet. Aber seit dem letzten Quartal 2003 erleben wir ein recht starkes Wachstum. In Singapur hat die Industrieproduktion allein im Mai um 21 Prozent zugenommen. Insgesamt rechnen wir für 2004 mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts zwischen 5,5 und 7,5 Prozent. Im letzten Jahr hatten wir mit Müh und Not eine schwarze Null erreicht. Das gleiche Bild trifft für ganz Südostasien zu. Sogar Indonesien legt wieder um mehr als 5 Prozent zu. Die Aussichten für die Asean-Staaten sind wieder positiv.

Gibt Japan für Südostasien entscheidende Impulse?


Die Reformen in Japan greifen offensichtlich, die Unternehmen verdienen wieder. Ich gehe von einem anhaltend soliden Wachstum aus.

Rechnen Sie mit einer weichen Landung der chinesischen Volkswirtschaft?


Die chinesische Regierung verströmt in der Tat viel Optimismus. Ebenso die Unternehmen. Aber ob es gelingt, einen Crash zu verhindern, ist schwer vorauszusagen. Das hängt von vielen Faktoren ab, auch von der Zinsentwicklung in den USA. Vor Überraschungen ist man nie gefeit. Und falls die Investoren der Meinung sind, der China-Boom sei vorüber und sich anderen Zielen zuwenden, dann wird die Lage schwierig.

Sehen Sie weitere Risiken für die asiatische Region?


Die Weltwirtschaft ist zurzeit derart volatil, dass jeder unerwartete Impuls auf das Geschäftsklima durchschlagen kann. In Zukunft hängt viel davon, wie sich die US-Wirtschaft nach der Wahl entwickelt. Asiens Wohlergehen hängt immer noch sehr stark vom Export ab. Und dabei sind die USA ein wichtiger Faktor.

Kann der innerasiatische Handel mögliche Schwankungen ausgleichen?


Der Handel unter den asiatischen Ländern wächst definitiv. Nehmen Sie erneut Singapur. Im vergangenen Jahr haben wir erstmals mehr nach China und Hongkong ausgeführt als in die USA. Aber in den nächsten Jahren werden wir vom amerikanischen Markt noch sehr abhängig bleiben blieben. Übrigens auch von der Nachfrage in Japan oder Europa. Asien riskiert immer noch eine Grippe, wenn die USA verschnupft sind.

Haben die Asiaten ihre Hausaufgaben gemacht und die Strukturreformen abgeschlossen?


Im Großen und Ganzen Ja. Im letzten Jahr ist die Solidität der asiatischen Wirtschaftssysteme durch die Lungenseuche Sars, den Irak-Krieg und die weltwirtschaftliche Schwäche hart auf die Probe gestellt worden. Diesen Belastungstest haben eigentlich alle Länder bestanden.

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