Nachgefragt
"Wichtigstes Ziel für Afrika ist eine geeignete Infrastruktur"

Das Handelsblatt spricht mit Sherazam Mazari über die Afrika-Hilfe der Industrienationen. Sherazam Mazari ist Afirka-Chef der britischen Bank Standard Chartered, die auf dem Kontinent führend ist.

Afrika steht ganz oben auf der Agenda des Gipfels, doch tun auch die afrikanischen Führer etwas für die Zukunft des Kontinents?

Ich glaube, dass auch die afrikanischen Führer die Dinge verändern wollen. Sie setzen sich über die Nepad (New Partnership for Africa’s Development) aktiv für gute Staatsführung, kontinentale Integration und höhere Konkurrenzfähigkeit ein. Es geht darum, dass Afrika einen geeigneten regionalen Markt schafft, eine geeignete Infrastruktur entwickelt und kleine und mittlere Unternehmen unterstützt.

Welches dieser Ziele ist das wichtigste?

Die Infrastruktur. Straßen, Elektrizität und Transportmöglichkeiten müssen vorhanden sein. Gleich danach kommt der Aufbau von Kreditbüros in den einzelnen Ländern. Dort sollten alle Daten von Schuldnern versammelt sein. So kann man den Schuldnern so etwas wie ein Rating geben. Die guten bekommen dann Kredite günstiger, so bekommen sie besseren Zugang zu Kapital.

Was müssen europäische Politiker tun, um Afrika zu helfen?

Wichtig ist, dass der Kontinent einen florierenden Landwirtschaftssektor bekommt. Da heißt es dann gleich, die Europäer müssten die Subventionen für ihre eigenen Produzenten abbauen. Doch das ist nicht die Lösung.

Warum nicht?

Man muss den Subventionsabbau sensibel handhaben. Wenn die Europäer schlagartig alle Hilfe einstellen, trifft das afrikanische Staaten besonders hart. Derzeit sind sie noch Netto-Importeure von Nahrungsmitteln. Der Abbau würde die Produkte schlagartig verteuern, der Anbau in Afrika reicht aber noch nicht für die eigene Versorgung aus.

Afrika war vor 20 Jahren auch auf der Agenda und tauchte wieder ab. Was kann verhindern, dass es erneut passiert?

Die Antwort liegt bei den afrikanischen Staatschefs. Einrichtungen wie die von Tony Blair initiierte Kommission für Afrika zeigen den richtigen Weg auf. Letztlich liegt es aber an den afrikanischen Regierungen, ob sie ihn einschlagen. Ich bin optimistisch, dass sie es tun.

Die Fragen stellte Felix Schönauer.

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