Nachgefragt: Wolf-Christian Paes
„Sie verdienen ein Vielfaches der Soldaten“

Wolf-Christian Paes ist Militärexperte im Internationalen Konversionszentrum in Bonn (BICC). Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die amerikanische Schattenarmee.

Die USA verlagern Aufgaben des Militärs an spezialisierte Dienstleister. Ist das wirklich effektiver und wirtschaftlicher?

Dazu gibt es keine wirklich seriösen Zahlen. Man kann bei Dienstleistungen hinter der Front (Etappe) vielleicht davon ausgehen. In den USA sind es aber zum Beispiel nur einige wenige Firmen, die sich die großen Kuchenstücke sichern, alle sehr nah zum Pentagon. Da hat es bei der Vergabe von Aufträgen auch schon Unregelmäßigkeiten gegeben. Außerdem: Viele der im Irak eingesetzten Leute verdienen ein Vielfaches von einem Soldaten.

Wie ist der Einsatz privater Firmen in Kriegsgebieten geregelt?

Zunächst einmal stellen sich eine Reihe rechtlicher Fragen – vor allem, wenn es um bewaffnete Einsätze geht: Wem sind die Firmen verantwortlich? Wie gut sind die Leute ausgebildet? Wem unterstehen sie in der Befehlskette? Das ist alles nicht klar geregelt. Es gibt natürlich auch eine Grauzone zwischen der Etappe und der Front: nämlich die Ausbildung von Soldaten. Wo früher Militärberater geschickt wurden, sind heute private Firmen im Einsatz. Das ist zum Beispiel auf dem Balkan so gelaufen.

Wie kann man die Einsatzbereiche denn trennen?

Bei einem Konflikt, der so abläuft wie im Irak, ist es schwer, zwischen defensiven und offensiven Rollen zu unterscheiden. Die US-Sicherheitsdoktrin lässt es eigentlich nicht zu, dass private Firmen aktive Kampfeinsätze ausführen. Ein Grund für die Privatisierung ist ja auch, dass die Armee mehr eigenes Personal für das Kerngeschäft haben will – also zu Kämpfen.

Aber die Idee ist doch, dass private Gefallene nicht in offiziellen Statistiken auftauchen?

Das ist wahr. In Kolumbien beim Kampf gegen die Drogenmafia ist man so verfahren. Die USA wollten sich offiziell nach den schlechten Erfahrungen in Lateinamerika aus dem Konflikt raushalten und keine Soldaten im Land haben. Das Szenario im Irak ist natürlich ganz anders.

Werden die europäischen Staaten dem US-Vorbild folgen?

Grundsätzlich sind die Europäer da viel vorsichtiger. Selbst Großbritannien, das mit der Privatisierung am weitesten ist, folgt den USA nicht auf dem Fuß. Dass dort private Bewaffnete im Dienst der Armee stehen, ist mir nicht bekannt.

Die Fragen stellte Thomas Wiede.

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