Nachschub benötigt
Syrische Armee muss Reservisten mobilisieren

Durch Verluste und geflohene Soldaten ist die Armee von Präsident al-Assad geschwächt. Nun wird die Reserve mobilisiert. Sogar erklärte Regierungsgegner werden einberufen. Doch viele verweigern den Dienst.
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DamaskusSie ist eine der bestausgerüsteten Armeen im Nahen Osten und verfügt über weitaus stärkere Waffen als die Opposition: Die Streitkräfte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Doch auch nach 17 Monaten hat sie den Aufstand nicht niederringen können. Syrien versinkt immer tiefer im Bürgerkrieg.

Unter dem Eindruck der in den letzten Wochen immer heftigeren Gefechte mobilisiert die Regierung in Damaskus nun ihre Reserve, wie Reuters von zahlreichen geflohenen Reservisten und einem aktiven Offizier erfuhr. Es sind normale Männer, die ihren zweijährigen Armeedienst geleistet haben und als Reservisten für einen Einsatz prinzipiell bereitstehen müssen. Doch viele weigern sich. Wollen in keiner Armee dienen, der - wie in kleinerem Umfang auch den Rebellen - Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wird. Ein Offizier in Homs schätzt, dass sich nur die Hälfte der Einberufenen zum Dienst gemeldet hat.

Dabei hätten viele Einheiten schwere Verluste erlitten. Die Armee benötigt Nachschub. "Es mangelt an Männern. Viele wurden getötet und es setzten sich Soldaten ab", sagt der Offizier. Wie viele es genau sind, lässt sich nur schätzen, weil die Armee keine offiziellen Zahlen herausgibt. Der oppositionellen Beobachterstelle für Menschenrechte zufolge sind knapp 6000 Soldaten und Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet worden.

Viele haben das Gefühl, nur zwischen Pest und Cholera wählen zu können. "Wir haben zwei Möglichkeiten: Entweder wir bleiben und töten andere Syrer. Oder wir desertieren und fliehen vor den Militärgerichten", sagt ein in Damaskus einberufener Rechtsanwaltsgehilfe, der seinen Namen nicht nennen will. Bewohner von Damaskus berichten, an den Kontrollposten würden nun junge Männer darauf kontrolliert, ob sie als Reservist einberufen wurden und nicht etwa auf der Flucht sind. Einige junge Syrer haben Angst, das Haus zu verlassen. Sie fürchten den Verrat durch ihre eigenen Nachbarn.

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Auch Oppositionelle sollen nun dienen

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