Nachwahl in Frankreich: Sozialisten profitieren von gutem Krisenmanagement

Nachwahl in Frankreich
Sozialisten profitieren von gutem Krisenmanagement

Nachfolger für EU-Kommissar Moscovici gesucht: Die Rechten vom Front National versuchten, die Angst vor Islamisten bei einer Nachwahl in Frankreich für sich zu nutzen. Doch am Ende profitieren die Sozialisten.
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ParisDie französischen Sozialisten haben die erste Wahlentscheidung nach den Terroranschlägen von Paris gewonnen. Ihr Kandidat Frédéric Barbier setzte sich am Sonntag nach Parteiangaben bei einer Nachwahl in der Region Doubs im Osten des Landes mit knapp 52 Prozent gegen die Kandidatin der rechtsextremen Front National, Sophie Montel, durch.

Im ersten Wahlgang hatte Montel mit 32,6 Prozent noch vor Barbier (28,9) gelegen. Aufgerufen waren knapp 67.000 Wahlberechtigte. Der Sitz in der Nationalversammlung musste neu vergeben, weil der bisherige Abgeordnete Pierre Moscovici nach Brüssel gewechselt war.

Die Front National-Kandidatin Montel warnte im Vorfeld vor einer „islamischen Gefahr“ in Frankreich. Doch es war offenbar ihr sozialistischer Kontrahent Barbier, der von der Einheit profitieren konnte, die das Land nach den Anschlägen auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Markt mit 17 Toten sofort gezeigt hatte. Staatspräsident François Hollande hatte nach den Attentaten dreier radikaler Muslime mit seinem Krisenmanagement gepunktet. Er hat sich seither darum bemüht, negative Auswirkungen für die fünf Millionen Muslime in Frankreich zu begrenzen.

Sowohl Montel als auch Barbier hofften vor der Wahl auf die Stimmen der einst einflussreichen konservativen Partei UMP von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Deren Kandidat war nach der ersten Wahlrunde in der vergangenen Woche aus dem Rennen ausgeschieden. Die Niederlage hatte neue Spaltungen in der Partei offenbart. So konnte sich die UMP nicht darauf einigen, ob sie den Wählern in Doubs raten solle, in der zweiten Runde den Sozialisten Barbier zu unterstützen. Während die Sozialisten regieren, hält die rechtsextreme Front National von Marine Le Pen aktuell drei Sitze im französischen Parlament. Zudem konnte die Partei die Anzahl ihrer Sitze im Europäischen Parlament von drei auf 24 steigern.

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