Nachwuchsprobleme der Streitkräfte
US-Rekrutierer werden "zum Teufel geschickt"

In Fort Knox, der Rekrutierungszentrale für die US-Army, gibt sich niemand mehr Illusionen hin. Vor allem der Irak-Krieg, aber auch der Afghanistan-Einsatz und dazu die erstarkte US-Wirtschaft machen den Dienst im Berufsheer so unattraktiv, dass es einfach nicht mehr gelingt, genügend Nachwuchs zu finden.

HB WASHINGTON. Auch beachtliche finanzielle Anreize in Form von Bargeld und Ausbildungsbeihilfen haben die Lust zum Dienen kaum gefördert. Die professionellen Rekrutierer klagen über ihr zunehmend hartes Los. "Wir werden immer häufiger zum Teufel geschickt", schildert einer von ihnen seine Erfahrungen. "Es macht einfach keinen Spaß mehr."

Der Abwärtstrend dürfte sich in harten Zahlen widerspiegeln, wenn das laufende Rekrutierungsjahr Ende September zu Ende geht. Zwar gelang es in den traditionell starken Sommermonaten Juni und Juli, die gesteckten Anwerbeziele zu erreichen, aber vorausgegangene Flautemonate konnten damit nicht ausgeglichen werden. Deswegen wird das Jahressoll von 80 000 neuen Soldaten nach Schätzungen um mehrere tausend unterschritten.

Bei der Heeresreserve und der Nationalgarde sieht es noch schlechter aus, "und 2006 könnte sogar noch weiter bergab gehen", befürchtet Heeres-Rekrutierungschef Michael Rochelle. Er spricht von der größten personellen Herausforderung "in meinen 33 Jahren in Uniform".

"Der Irak ist die treibende Kraft hinter diesem Problem“, bringt es Charles Pena von der Denkfabrik Cato in Washington auf den Punkt. "Wenn man in der Privatwirtschaft arbeitet, läuft man ganz einfach nicht Gefahr, von einer Bombe auf der Straße zerrissen zu werden."

Dabei hat das Pentagon weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Nachwuchsprobleme beim Heer zu verringern, das den bei weitem größten Teil der 138 000 US-Soldaten im Irak stellt. 5000 bis 20 000 Dollar bar auf die Hand erhält jeder, der sich für mehr als drei Jahre verpflichtet, und dazu winken Ausbildungsbeihilfen von bis zu 70 000 Dollar. Außerdem wurde die Zahl der Rekrutierer allein in diesem Jahr um 1700 aufgestockt.

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