Nähe zu Murdoch-Zeitung
Cameron gerät in arge Erklärungsnot

Die Anhörung zur Abhöraffäre vor dem Ausschuss des britischen Parlaments brachte es ans Licht: Murdochs Top-Managerin Brooks traf sich oft mit dem britischen Premierminister David Cameron. Für ihn wird es nun eng.
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LondonDie britischen Parlamentarier beschäftigen sich heute in einer außerordentlichen Sitzung mit den illegalen Recherchemethoden bei der mittlerweile eingestellten Zeitung „News of the World“ des Medienmoguls Rupert Murdoch.

Dabei wird vor allem eine Stellungnahme von Premierminister David Cameron mit Spannung erwartet. Cameron sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Der Labour-Abgeordnete Gerald Kaufman fragte: „Sollte der Premierminister nicht seine Position überdenken?“ Oppositionsführer Ed Miliband attestierte Cameron eine „katastrophalen Einschätzungsfehler“, als er den früheren „News of the World“-Chefredakteur Andy Coulson zu seinem Regierungssprecher machte. Dieser war vor wenigen Tagen festgenommen worden.

Zusätzlich unter Druck geriet Cameron am Dienstag, als herauskam, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch-Managerin Rebekah Brooks Gast bei seinem 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Es war die 27. Begegnung Camerons mit Murdoch-Managern in nur 15 Monaten Amtszeit. Die Geburtstagseinladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden.

Murdoch und sein Sohn James entschuldigten sich bei einem historischen Auftritt vor britischen Parlamentariern für Vergehen im Abhör- und Korruptionsskandal. Persönliche Verantwortung übernahmen sie bei der Anhörung am Dienstag in London aber nicht. Die fraglichen Entscheidungen seien nicht vom Top-Management getroffen worden.

Der Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments wirft Murdoch inzwischen die Behinderung von Ermittlungen vor. Der britische Ableger des Medienimperiums habe bewusst versucht, die verschiedenen Ermittlungsverfahren in der Affäre zu vereiteln, heißt es in einem am Mittwoch in London veröffentlichen Bericht. Außerdem stellte der Ausschuss „Versäumnisse“ bei Scotland Yard fest. Die ersten Ermittlungen in den Jahren 2005 und 2006 seien „sehr mangelhaft“ gewesen. Scotland-Yard-Vize John Yates, der am Montag den Rücktritt eingereicht hatte, habe sich „ernsthafte Fehleinschätzungen“ geleistet.

Besonders schwere Vorwürfe erhob der überparteiliche Ausschuss gegen Yates' Vorgänger Andy Hayman, der für die ersten Ermittlung verantwortlich gewesen war. Der frühere Vizechef von Scotland Yard habe „bewusst“ Tatsachen verdunkelt. Hayman hatte nach seinem Abgang bei der Polizei als Kolumnist für das Murdoch-Blatt „The Times“ gearbeitet.

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