Naher Osten
„Kofferbomber“-Bruder stirbt bei Kämpfen im Libanon

Bei den bürgerkriegsähnlichen Gefechten im Norden des Libanon soll auch der Bruder eines der beiden „Kofferbomber von Köln“ ums Leben gekommen sein. In Beirut steigt unterdessen nach einem neuen Anschlag die Furcht vor neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen.

HB BEIRUT. Wie am Montag aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete, handelt es sich um Saddam El Hajdib, die Nummer vier der islamistischen Splittergruppe Fatah Islam. Sein Bruder Youssef Mohamed war nach den fehlgeschlagenen Bombenanschlägen auf deutsche Regionalzüge im Sommer 2006 in Kiel verhaftet worden, weil er eine der beiden Kofferbomben gelegt haben soll. Er wird voraussichtlich im Juli oder August angeklagt.

Bei der Erstürmung eines Hauses in der Hafenstadt Tripoli waren am Sonntag zehn islamische Extremisten getötet worden. Eine Leiche wurde den Angaben zufolge als die Saddam El Hajdibs identifiziert. Sein Cousin Khaled Khair Eddin El Hajdib steht in der libanesischen Hauptstadt Beirut wegen des versuchten Anschlags von Köln vor Gericht. In dem Prozess sind drei weitere Personen angeklagt: Der zweite der mutmaßlichen Kofferbomber, Jihad Hamad, sowie seine mutmaßlichen Komplizen Ayman Hawa und Khalil al Boubou. Hamad war nach dem fehlgeschlagenen Attentat in den Libanon geflohen.

Zunächst war unklar, ob den libanesischen Behörden der Aufenthaltsort des gesuchten Bruders des Kofferbombers bekannt war, bevor sie die Militäraktion in Tripoli und dem nahen palästinensischen Flüchtlingslager Nahr el Bared begannen. Dort hat die Extremistengruppe Fatah Islam ihr Hauptquartier.

Hunderte libanesische Soldaten mit Panzern und gepanzerten Fahrzeiten umstellten am Montag das Flüchtlingslager und feuerten mit Artillerie. Die Extremisten schossen mit Mörsergranaten zurück. Die Kämpfe hatten am Sonntag begonnen. Dabei starben nach offiziellen Angaben vom Montag mindestens 27 Soldaten und 20 islamische Kämpfer zum Opfer.

Ein erneuter Anschlag in einem christlichen Viertel der Hauptstadt Beirut schürte derweil neue Befürchtungen über ein Wiederaufflammen der Gewalt. Eine 63 Jahre alte Frau kam dort am Sonntagabend bei einem Bombenanschlag ums Leben, zwölf Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die Bombe riss kurz vor Mitternacht einen drei Meter großen und 1,50 Meter tiefen Krater in die Straße des Stadtteils Aschrafieh. Mehrere Autos wurden zerstört.

Die Kofferbomben wurden am 31. Juli vergangenen Jahres in zwei Regionalzügen von Köln nach Hamm und Koblenz entdeckt. Nur wegen eines technischen Fehlers kam es nicht zur Explosion. Tests des Bundeskriminalamtes (BKA) ergaben, dass die Sprengsätze eine verheerende Wirkung gehabt hätten.

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