Nahost-Berichterstattung
Israel kritisiert deutsche Einseitigkeit

Israel fühlt sich von den deutschen Medien schlecht behandelt. Das ist nicht erst seit Beginn des Libanonkriegs so. Die Berichterstattung über den Nahost-Konflikt wird von israelischer Seite seit Jahren als unausgewogen gebrandmarkt. Auch in Deutschland mehren sich nun die Vorwürfe.

BERLIN. Shimon Stein brummt nur verdrossen. Der israelische Botschafter in Deutschland hält die Frage, für wie gut er die Berichterstattung der deutschen Medien über den Libanonkonflikt hält, für falsch gestellt. Wie gut? Warum nicht wie schlecht? „Wenn Gewaltaktionen gezeigt werden, ist überwiegend die israelische Armee zu sehen, die Hisbollah kaum“, sagt der Diplomat. „Wenn es aber um Opfer geht, dann sieht man überwiegend Libanesen und viel weniger Israelis. So entsteht bei der Öffentlichkeit eine klare Vorstellung, wer der Angreifer und wer der Angegriffene ist.“

Auch aus Deutschland mehren sich die Vorwürfe: Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, sagte im Spiegel, es werde „so getan, als hätte der Konflikt mit der Entführung der zwei israelischen Soldaten begonnen“ und der jahrelange Beschuss Israels durch Raketen aus dem Libanon verschwiegen. „So erscheinen die israelischen Angriffe als Überreaktion.“ Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker warf den Medien in der „Bild am Sonntag“ vor, die existenzbedrohenden Gefahren für Israel unterzugewichten. „Dieser Aspekt kommt kaum vor.“

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Was ist dran an dem Vorwurf? Tatsache ist, dass die Kunden der Medien – die Öffentlichkeit – sich offenbar ein fragwürdiges Bild von der Lage im Nahen Osten macht. Nach einer Infratest-Umfrage sprechen zwei Drittel aller Deutschen Israel das Recht auf Selbstverteidigung gegen die Bomben der Hisbollah ab. Nach einer Forsa-Umfrage sehen mehr Deutsche die Verantwortung für den Krieg bei Israel (16 Prozent) als bei der Hisbollah (13 Prozent). Die meisten (59 Prozent) geben beiden Seiten gleichermaßen Schuld.

Die Haltung gegenüber Israel hängt offenbar von der politischen Einstellung ab: Bei Anhängern der Linkspartei sehen 22 Prozent die Verantwortung für den Krieg allein bei Israel, nur 11 Prozent bei der Hisbollah. Bei den Unions-Anhängern ist es genau umgekehrt: 24 Prozent halten die Hisbollah für verantwortlich und nur 11 Prozent Israel. Bei den Grünen-Anhängern fällt der Anteil der pazifistischen „Beide-Gleich“-Fraktion mit 69 Prozent besonders stark aus. Am heftigsten schlägt die Israel-Kritik aber bei den Freunden der einstigen Möllemann-Partei FDP aus: Dort geben sogar 35 Prozent Israel einseitig die Schuld.

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