Nahost
Entführungen wegen Gefängnis-Sturm

Militante Palästinenser haben im Gaza-Streifen mindestens sechs westliche Ausländer entführt, nachdem israelische Truppen ein Gefängnis im Westjordanland umstellt hatten. Die Militäraktion zielt auf sechs Häftlinge ab, die mit allen Mitteln versuchen, nicht in die Hände der Israelis zu fallen.

HB GAZA-STADT/JERICHO. Die französische Regierung bestätigte die Geiselnahme zweier Staatsbürger ihres Landes in Gaza. Augenzeugen sagten, mit den beiden Franzosen sei auch ein Koreaner verschleppt worden. Mitarbeiter der Vertretung des Roten Kreuzes in Gaza sagten, der Direktor des Büros sei ebenfalls in den Händen von Extremisten. Er stammt vermutlich aus der Schweiz. Ein Fahrzeugkonvoi, mit dem andere Ausländer aus dem Gazastreifen fliehen wollten, wurde beschossen. Niemand sei verletzt worden, die Ausländer seien in Sicherheit, sagten palästinensische Polizisten.

Palästinensischen Sicherheitskräften zufolge steckten Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) hinter den Entführungen. Die Extremisten stürmten auch das Gebäude einer US-Einrichtung, steckten ein britisches Kulturinstitut in Brand und griffen eine Vertretung der EU an. Die militanten Demonstranten machen die USA und Großbritannien verantwortlich für den israelischen Militäreinsatz in Jericho im Westjordanland. Erst der Abzug internationaler Beobachter aus dem Gefängnis habe den Weg für den Militäreinsatz freigemacht.

Die israelische Armee teilte mit, Ziel der Aktion sei es, den inhaftierten PFLP-Führer Ahmed Saadat und weitere Männer wegen des Mordes an dem israelischen Tourismusministers Rechwam Seewi festzunehmen. Augenzeugen berichteten, Soldaten hätten aus Panzern und Hubschraubern auf das Gefängnisgebäude geschossen. Am Nachmittag rückten gepanzerte Bulldozer und Bagger vor, um die Außenmauer des Gefängnisses einzureißen.

Bis zum Nachmittag ergaben sich rund 150 palästinensische Häftlinge und Bewacher der israelischen Armee. PFLP-Führer Saadat will sich nicht freiwillig stellen. Er sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira in einem Telefoninterview: „Wir werden uns nicht ergeben. Wir werden als Männer sterben.“

Der Chef der Hamas-Extremisten, die die künftige Palästinenser-Regierung bilden, rief alle Palästinenser dazu auf, nach Jericho zu kommen und das Gefängnis zu schützen. Die Vereinten Nationen (UN) müssten das israelische Verbrechen stoppen, Ägypten und Jordanien bei Israel intervenieren, forderte Chaled Maschaal, der in Syrien im Exil lebt. Palästinenser-Präsident Abbas machte Israel schwere Vorwürfe wegen seines Vorgehens und erklärte, er werde die USA und Großbritannien zur Rechenschaft ziehen, wenn Saadat und seinen Verbündeten etwas zustoße.

Israel hatte 2002 durchgesetzt, dass Saadat in dem Gefängnis festgehalten wird. Die internationalen Beobachter sollten seine Inhaftierung auch nach der Rückgabe der Stadt an die Palästinenser sicherstellen. Für den Fall einer Freilassung des Extremisten hatte Israel sein Eingreifen angedroht und angekündigt, Saadat selbst in Haft zu nehmen. In der vergangenen Woche erklärte Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, er sei bereit, Saadat laufen zu lassen.

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