Nahost
Hamas setzt Israel Gefangenen-Ultimatum

Die Hamas erhöht den Druck auf Israel beim Austausch des vor über drei Jahren verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit gegen mehrere hundert palästinensischen Gefangenen: Die radikal-islamischen Kämpfer setzten Israel eine 48-stündige Frist, um auf das Angebot zum Gefangenen-Austausch einzugehen. An dem israelischen Grenzzaun kam es unterdessen zu einem tragischen Zwischenfall.
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GAZA/TEL AVIV. Die radikal-islamische Hamas hat Israel eine 48-stündige Frist zur Zustimmung zum Austausch von mehreren hundert palästinensischen Gefangenen gegen den vor über drei Jahren verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit gesetzt. Im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira sagten Hamas-Vertreter am Sonntagabend, dass die nächsten 48 Stunden "entscheidend" für eine Einigung zum Gefangenenaustausch sein würden. Die vorgeschlagenen Details dazu würden der israelischen Seite vom deutschen Vermittler Ernst Uhrlau übermittelt.

Der im Juni 2006 in den Gazastreifen entführte israelische Soldat Gilad Schalit wurde nach palästinensischen und arabischen Berichten vor einer Woche erstmals von Uhrlau und vier französischen Ärzten besucht. Die medizinische Untersuchung wurde als eine vertrauensbildende Maßnahme vor einem möglichen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas gesehen. Zuletzt mehrten sich die Berichte über eine in Kürze bevorstehende Einigung.

Israelis erschießen eigenen Mann am Gaza-Zaun

Am israelischen Grenzzaun zu den Pälistinensergebieten kam es indes zu einem Zwischenfall: Israelische Grenzwächter haben in der Nacht zum Montag einen Israeli erschossen, der in den blockierten Gazastreifen eingedrungen war. Eine Armeesprecherin sagte, die Sicherheitskräfte am Eres-Übergang hätten einen verdächtigen Mann gesehen, der auf den Kontrollpunkt zugelaufen sei. Anschließend sei er über den Grenzzaun in das Palästinensergebiet geklettert.

"Das Sicherheitspersonal hat den Mann dazu aufgerufen, anzuhalten und mehrere Warnschüsse abgegeben", sagte die Sprecherin. Als er darauf nicht reagierte, hätten die Wächter Schüsse auf den unteren Körperteil abgegeben. Der Verletzte sei von Sanitätern behandelt worden und kurz darauf gestorben.

In Israel geht man davon aus, dass es sich bei dem etwa 30-jährigen Mann um einen geistig Verwirrten handelte. Die Sprecherin erklärte, er sei jüdischer Israeli, konnte jedoch keine weiteren Einzelheiten zu seiner Identität nennen.

Seit der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit im Juni 2006 ist der Gazastreifen fast durchgängig blockiert. Die Einreise in das von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Palästinensergebiet ist israelischen Staatsbürgern untersagt. Israelis, die gegen das Verbot verstoßen, drohen Haftstrafen.

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