Nahost
Iran provoziert Emirate zum Meiler-Bau

Während der Westen Hoffnung verbreitet, haben die Nachbarstaaten am Golf das Vertrauen in Iran verloren. Der Golfkooperationsrat äußert "extreme Sorgen" über Irans Nuklearprogramm. Unterdessen untermauern inzwischen die arabischen Staaten selbst ihre Ambitionen zum Aufbau von Atomkraftwerken.
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BERLIN. Während der Westen Hoffnung verbreitet, haben die Nachbarstaaten am Golf das Vertrauen in Iran verloren. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) lobte die gestern in Genf ergebnislos zu Ende gegangenen Verhandlungen mit Teheran über das persische Nuklearprogramm: "Die Gespräche waren erwartungsgemäß noch kein Durchbruch, aber ein Anfang ist gemacht." Im Januar werde in Istanbul weiter verhandelt, bestätigte auch die EU-Außenbeauftragte, Catherine Ashton, die die Gespräche mit Irans Chefunterhändler Saed Dschalili leitete.

Der Golfkooperationsrat (GCC) erklärte derweil bei seinem Gipfel in Abu Dhabi, Irans Atom-Ambitionen bereiteten ihm "extreme Sorgen". Allerdings verurteilten die Mitglieder jede Gewaltanwendung gegen Persien und forderten einen atomfreien Nahen Osten - was sich auch gegen Israel richtet.

Das Abschwören von Gewalt ist bemerkenswert, weil in den von Wikileaks veröffentlichten Geheimdepeschen aus den amerikanischen Botschaften am Golf mehrfach berichtet worden war, vor allem die Saudis und die Führung der Vereinten Arabischen Emirate (VAE) forderten die USA zu einem Angriff auf persische Atomanlagen auf. Aber Saudi-Arabien und Iran hatten den Wahrheitsgehalt der US-Botschaftsberichte angezweifelt.

Unterdessen untermauern inzwischen die arabischen Staaten selbst ihre Ambitionen zum Aufbau von Atomkraftwerken. Saudi-Arabien will nun innerhalb von zehn Jahren den ersten Atommeiler bei sich bauen lassen und bis 2030 insgesamt eine Nuklearkapazität von 40 Gigawatt etablieren. Das sagte US-Handelsstaatssekretär Francisco Sanchez nach Treffen mit saudischen Offiziellen in der König-Abdullah-Stadt für atomare und erneuerbare Energien. Auch mit Russland hatte der weltgrößte Ölförderer zuvor über eine Atomkooperation verhandelt.

Das größte arabische Königreich will 80 Milliarden Dollar in den Aufbau von Atomstrom-Anlagen stecken und schließt auch eine eigene Uran-Anreicherung nicht aus. Ein eigenes Atomforschungszentrum bauen die Saudis gerade auf. Mit dem benachbarten Iran verhandelt die Weltgemeinschaft darüber, die eigene Anreicherung zu stoppen, weil dahinter auch ein militärisches Nuklearprogramm vermutet wird.

Während bei den Saudis offenbar US-Firmen zum Zug kommen sollen, wollen die VAE bereits bis 2017 ihren ersten Meiler von einem südkoreanischen Konsortium bauen lassen. Offiziell wird das Atom-Streben am Golf mit einem rasant wachsenden Strombedarf begründet, der nicht durch sinkende Rohölexporte erreicht werden solle. Auffällig aber ist, dass die arabischen Staaten gerade jetzt ihre Pläne forcieren, da Iran vor dem Anfahren seines ersten Meilers in Bushehr steht.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Nahost: Iran provoziert Emirate zum Meiler-Bau"

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  • Es heißt: "am persischen Golf" und nicht "Golf" !!!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Namensgebung_des_Persischen_Golfes

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