Nahost
Israel kommt Raketenabschuss zuvor

Beim blutigsten Luftangriff auf palästinensische Extremisten seit Jahren hat Israel elf Menschen getötet, darunter zwei Kinder. Allerdings vereitelte die Luftwaffe damit den Abschuss mehrerer Raketen auf israelisches Territorium.

HB GAZA. Der Angriff galt am Dienstag im nördlichen Gazastreifen einem Lastwagen, mit dem Extremisten Raketen für den Beschuss israelischer Gebiete transportierten. Die Kinder kamen durch Splitter ums Leben, die Augenzeugen zufolge meterweit flogen. Unter den Todesopfern des Luftangriffes östlich der Stadt Gaza waren Ärzten zufolge neben den beiden Kindern sieben weitere Zivilisten sowie zwei Mitglieder der Extremistenorganisation Islamischer Dschihad.

Die Extremisten seien mit dem Kleinbus auf dem Weg zum Abschuss der Raketen gewesen, erklärte die israelische Armee. Augenzeugen zufolge feuerten die Israelis zwei Raketen ab. Die erste habe das Fahrzeug der Extremisten getroffen, die zweite sei eingeschlagen als sich eine Gruppe Neugieriger am Ort des Geschehens versammelte.

Seit die regierende Hamas am Wochenende ihre Waffenruhe gegenüber Israel aufgekündigt hat, wurden israelischen Angaben zufolge mehr als hundert Raketen auf israelische Gebiete abgefeuert. In den Trümmern des zerstörten Lastwagens waren Geschosse derselben Bauart zu sehen.

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern hat sich seit Freitag verschärft: An diesem Tag kam am Strand von Gaza eine palästinensische Familie bei einer Explosion ums Leben, deren Ursache umstritten ist. Die Palästinenser beschuldigten die israelische Marine, die Zivilisten beschossen zu haben. Israelische Ermittlungen ergaben inzwischen Militärvertretern zufolge, dass die Armee mutmaßlich nicht beteiligt war, sondern eine Landmine explodierte. Der Untersuchungsbericht sollte in der Nacht zum Mittwoch veröffentlicht werden. Der Vorfall hatte über den Nahen Osten hinaus Empörung ausgelöst. Die Bilder einer achtjährigen Tochter der Familie, die angesichts des Todes ihres Vaters verzweifelt, waren um die ganze Welt gegangen.

Im Westjordanland setzte sich die Gewalt aus der Nacht in den Städten Salfit, Kalkilja und Nablus fort. Anhänger von Abbas' Fatah-Bewegung griffen Büros der konkurrierenden Hamas an. In Salfit und Kalkilja wurden die Räume in Brand gesetzt, in Nablus beschossen. Stunden zuvor hatten Bewaffnete das Parlamentsgebäude in Ramallah in Brand gesteckt und das Büro des Hamas-Ministerpräsidenten Ismail Hanija geplündert. Augenzeugen sagten, die Angreifer hätten den Al-Aksa-Brigaden der Fatah-Bewegung angehört.

Abbas hatte seine Sicherheitskräfte angewiesen, die eskalierende Gewalt zu stoppen. Abbas und die Hamas-Regierung kontrollieren jeweils eigene bewaffnete Verbände, die sich in den vergangenen Wochen wiederholt in Zusammenstöße verwickelt haben. Mehr als 20 Palästinenser wurden dabei getötet. Experten warnten davor, dass der Machtkampf zwischen Abbas und der Hamas die Palästinenser vollends in einen Bürgerkrieg zu treiben drohe.

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