Nahost
Israel nimmt Hisbollah-Kämpfer gefangen

Bei ihrem Vormarsch im Südlibanon haben israelische Truppen erstmals Kämpfer der radikalen Miliz Hisbollah gefangen genommen. Jerusalem dürfte sie als Faustpfand bei Waffenstillstandsverhandlungen einsetzen. Nun liefern sich beide Seiten in einer Hisbollah-Hochburg heftige Gefechte.

HB BEIRUT Ein Sprecher der Organisation bestätigte in Beirut „schwere Kämpfe mit Schnellfeuergewehren und panzerbrechenden Waffen“. Libanesische Fernsehkanäle zeigten Bilder von den Kämpfen, auf denen große Rauchwolken zu sehen waren, während israelische Panzer, Panzerfahrzeuge und Bulldozer auf Bint Dschbeil vorstießen. Nach Angaben beider Seiten wurden neun israelische Soldaten verletzt. Nach israelischen Angaben zerstörte das Militär neun Abschussrampen für Hisbollah-Raketen.

Am Wochenende hatten israelische Truppen das Grenzdorf Marun al Ras eingenommen, von wo sie am Montagmorgen auf das vier Kilometer entfernte Bint Dschbeil vorstießen. In Marun al Ras nahm Israel nach einem Bericht des Armeerundfunks zwei Hisbollah-Kämpfer gefangen. Es handelt es sich um die ersten Gefangenen seit Beginn der Kampfhandlungen. Die Männer seien nach Israel gebracht worden. Die Hisbollah hat ihrerseits zwei israelische Soldaten in ihrer Gewalt. Die Geiselnahme löste die massiven Luft- und Bodenangriffe Israels auf Ziele im Libanon aus. Die Hisbollah reagierte mit dem Beschuss nordisraelischer Städte und Dörfer.

Hisbollah-Chef lässt weiterbomben

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah versicherte in einem Interview, seine Organisation werde den Beschuss ungeachtet des israelischen Vormarsches am Boden fortsetzen. „Wohin auch immer Israel vorrückt, es wird keinen politischen Gewinn daraus ziehen“, erklärte Nasrallah in einem Interview mit der libanesischen Tageszeitung „As-Safir“. Die pro-iranische Hisbollah erkennt Israel nicht an und bezeichnet das israelische Staatsgebiet als „besetztes Palästina“.

Zu Berichten, wonach die Hisbollah zu indirekten Gesprächen mit Israel über einen Gefangenenaustausch bereit sei, sagte Nasrallah: „Wir sind in einem wahrhaften Kriegszustand. Wir glauben nicht, dass wir derzeit daran Interesse hätten, Ideen oder Initiativen zu diskutieren.“ Zugleich habe seine Organisation keine Einwände gegen das Verhandlungsmandat der libanesischen Regierung. Zu einer möglichen Vermittlerrolle Deutschlands sagte der Hisbollah-Chef: „Der deutsche Kanal ist immer noch akzeptabel, so wie wir auch keine Einwände gegen andere Kanäle haben.“ Vor zwei Jahren hatte Deutschland einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah vermittelt.

Der Ansturm der Libanon-Flüchtlinge auf Zypern hält unterdessen weiter an. Nach offiziellen Angaben aus Nikosia vom Montag sind seit Beginn der Kampfhandlungen vor knapp zwei Wochen bisher mehr als 30 000 Menschen auf der Mittelmeerinsel eingetroffen.





» Fotostrecke: Schwere Kämpfe in Nahost





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