Nahost
Israels Botschafter erwartet jahrelangen Bundeswehreinsatz

Die Zusagen für Libanon-Truppe der Uno werden konkreter. 20 Staaten wollen sich beteiligen. Noch in dieser Woche sollen die ersten 3500 Soldaten in die Krisenregion aufbrechen. Die Bundesregierung will sich noch immer nicht auf ihren Beitrag festlegen. Doch Vertreter Israels gehen von einem langen Einsatz der Bundeswehr in Nahost aus.

HB BERLIN. Mit ihrer Beteiligung an einer Uno-Friedenstruppe für den israelisch-libanesischen Grenzraum wird sich nach Einschätzung des israelischen Botschafters in Berlin, Shimon Stein, auch die Bundesrepublik auf eine jahrelange Mission im Nahen Osten einlassen müssen. Das müssten alle Beteiligten wissen, sagte Stein der „Leipziger Volkszeitung“. „Diese Mission wird uns einige Jahre begleiten. Das wissen alle Beteiligten“, erklärte der Diplomat.

Wenn es mit Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft gelänge, Libanon zu einem souveränen Staat zu machen und die Hisbollah-Miliz zu zerschlagen, „dann ist das ein ganz wichtiger Beitrag zur Stabilisierung einer der israelischen Grenzen“, sagte Stein. Man dürfe sich davon aber nicht eine generelle Lösung des Nahost-Konfliktes erhoffen: „Es geht jetzt nicht um die globale Krisenregulierung, sondern um einen, wenn auch sehr wichtigen, Friedensbeitrag.“

Die israelische Außenministerin Tzipi Liwni erwartet deutsche Hilfe bei der Freilassung der beiden von der radikal-schiitischen Hisbollah-Miliz entführten israelischen Soldaten. „Wir erwarten von allen, auch Deutschland natürlich, sich an den libanesischen Ministerpräsidenten Siniora zu wenden und ihn aufzurufen, eine Verantwortung zu übernehmen und sich darum zu kümmern, die entführten Soldaten freizulassen“, sagte Liwni im ZDF.

Mitte Juli hatten Milizangehörige die beiden Soldaten im libanesisch-israelischen Grenzgebiet entführt und damit den Krieg Israels gegen die Hisbollah im Libanon ausgelöst. Die Hisbollah sei eine Terrororganisation, sagte Liwni. Die libanesische Regierung müsse die Miliz entwaffnen. Ziel müsse ein freier Libanon sein - frei von Syrien, frei vom Iran. Dann könne auch der Friedensprozess zwischen Israel und dem Libanon gefördert werden.

Die israelische Außenministerin nannte die Beziehungen zwischen ihrem Land und Deutschland sehr stark. „Sie basieren zum Teil auf einer sehr schweren Vergangenheit und auf einer sehr sehr starken Gegenwart mit einer besonders wichtigen Beziehung zwischen beiden Staaten und mit dem Verständnis, dass wir ein gemeinsames Interesse haben.“

Die Vereinten Nationen wollen noch in dieser Woche die ersten 3500 Soldaten der geplanten Libanontruppe entsenden. Vor allem Italien und Frankreich hätten konkrete Zusagen für eine schnelle Stationierung ihrer Uno-Soldaten gemacht, teilten Uno-Diplomaten in der Nacht zum Dienstag nach Beratungen der Truppensteller im UN-Hauptquartier in New York mit.

Auf deutscher Seite gab es dagegen noch keine endgültige Festlegung. Wie aus Teilnehmerkreisen verlautete, sollen erst noch einige Details bei den Einsatzregeln ausgearbeitet werden. Für die nächsten Tage sei ein weiteres Treffen geplant.

Mittlerweile haben etwa 20 Länder eine Beteiligung an der geplanten Libanontruppe zugesagt, die die Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hisbollah überwachen soll. Sie verstärkt die ursprünglich etwa 2000 Unifil-Soldaten im Südlibanon. Insgesamt soll die Truppe gemäß einer Resolution des Weltsicherheitsrates 15 000 Soldaten umfassen, doch ob diese Zahl wirklich zu Stande kommt, ist noch fraglich. Deutschland wird sich voraussichtlich vor allem mit Marine-Einheiten beteiligen.

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