Nahost-Konflikt
Blutbad in libanesischem Dorf

Israelische Kampfflugzeuge haben in der Nacht ein Dorf im Südlibanon bombardiert, aus dem nach Ansicht der Militärführung immer wieder Raketen auf israelisches Territorium abgefeuert wurden. Drei Häuser wurden von Bomben getroffen und brachen über schlafenden Bewohnern zusammen. Inzwischen ist von bis zu 50 Toten die Rede.

HB BEIRUT/JERUSALEM. Die libanesische Polizei und Augenzeugen berichteten am Sonntagvormitttag, 30 Leichen, darunter die von 13 Kindern, seien bislang aus einem Gebäude geborgen worden. Über 60 Menschen hatten im Keller des Hauses Schutz gesucht. Israels Streitkräfte erklärten, sie hätten Ziele in Kana angegriffen, weil von dort aus wiederholt Raketen abgefeuert worden seien. Der Angriff habe sich gegen Abschussvorrichtungen gerichtet, sagte Militärsprecher Jacob Dallal. Die Zivilbevölkerung sei schon vor Tagen über Flugblätter zum Verlassen des Ortes aufgefordert worden.

Libanons Ministerpräsident Fuad Siniora forderte nach dem Bombardement des Dorfs Kana einen sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand. Er werde zuvor keine Verhandlungen führen, sagte Siniora am Sonntag. Zudem verlangte er eine internationale Untersuchung „der israelischen Massaker im Libanon“. Bei den seit mehr als zwei Wochen anhaltenden Gefechten zwischen der israelischen Armee und der radikalen Hisbollah- Miliz sind mehr als 550 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen libanesische Zivilisten.

Israelische Bodentruppen weiteten am Sonntag ihre Einsätze im Libanon nach Norden aus. Um den libanesischen Grenzort Taibe gebe es Gefechte zwischen Soldaten und Hisbollah-Milizionären, teilte eine Armeesprecherin in Tel Aviv mit. Dabei seien zwei israelische Soldaten verletzt und drei Hisbollah-Kämpfer „getroffen“ worden. Am Vortag hatte sich die Armee nach tagelangen Gefechten aus der südlibanesischen Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil zurückgezogen.

Der Fernsehsender der radikalen Hisbollah-Miliz strahlte unterdessen eine Erklärung aus, in der von neuen Raketenangriffen auf israelisches Gebiet die Rede war. Katjuscha-Raketen seien auf die Regionen um Naharija, Kirjat Schmona und Maalot abgeschossen worden, hieß es.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert machte am Sonntag deutlich, dass ihm nicht an einem baldigen Ende des Kriegs gelegen ist. Israel sei nicht an einer schnellen Waffenruhe gelegen, so lange die Ziele nicht erreicht seien, erklärte Olmert vor der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem. Dazu sei „eine Reifung des diplomatischen Prozesses“ und eine Einigung über eine Truppe in den Gegenden nötig, aus denen Israel wiederholt bedroht worden sei, sagte Olmert offenbar mit Blick auf Raketenangriffe aus dem Südlibanon. Einzelheiten nannte er nicht.

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