Nahost-Konflikt
Hisbollah droht mit Angriff auf Tel Aviv

Der Führer der libanesischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, hat erstmals mit Raketenangriffen auf Tel Aviv gedroht. Sollte Israel die libanesische Hauptstadt Beirut weiter bombardieren, werde die Hisbollah neue Ziele ins Visier nehmen. Israel konterte mit einer gleichermaßen scharfen Warnung.

HB BEIRUT. Nasrallahs Erklärung wurde am Donnerstagabend von allen libanesischen und arabischen Fernsehsendern ausgestrahlt. Die israelische Luftwaffe hat seit Beginn ihrer Militäroffensive am 12. Juli wiederholt Hochburgen der Hisbollah in südlichen Vororten Beiruts angegriffen.

Tel Aviv liegt rund 130 Kilometer südlich der libanesischen Grenze und damit deutlich entfernt von den bisherigen Anschlagszielen der Miliz. Bisher war die Hisbollah mit ihren Raketenangriffen bis Beit Schean vorgedrungen, rund 70 Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze entfernt.

Nasrallah bot in der aufgezeichneten Fernsehansprache auch eine Einstellung der Raketenangriffe auf israelische Städte an, wenn Israel seinerseits die Luftangriffe im Libanon beende. Die Hisbollah bevorzuge den Kampf am Boden, auf dem Schlachtfeld, sagte Nasrallah und fuhr fort: „Wir sind bereit dazu.“

Die Kommandostrukturen der Hisbollah seien trotz der israelischen Angriffe nach wie vor intakt. Das gleiche gelte für die Fähigkeit, Raketen abzuschießen. Seine Leute seien bereit, bis zum letzten Atemzug und bis zur letzten Kugel zu kämpfen, sagte Nasrallah weiter.

Die Antwort aus Israel zu der Hisbollah-Erklärung folge prompt: Ein Angehöriger des israelischen Militärs wurde im Fernsehsender Channel One mit den Worten zitiert: Israel werde die gesamte Infrastruktur des Libanon zerstören, falls die Hisbollah Tel Aviv angreife.

Israels Verteidigungsminister Amir Peretz wies die Armee inzwischen an, sich auf die komplette Einnahme des Südlibanon vorzubereiten. Die "nächste Etappe" der Offensive habe das Ziel, "die Kontrolle über den Südlibanon von der internationalen Grenze bis zum Fluss Litani zu übernehmen", sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums am Abend. Bei Peretz' Anweisung handle es sich nicht um einen Einsatzbefehl, stellte sie klar. Es gehe lediglich um die Vorbereitung eines Einsatzes. Der libanesische Fluss Litani verläuft fünf bis 30 Kilometer nördlich der Grenze zwischen Israel und dem Libanon. Ein Sprecher des israelischen Nordkommandos hatte zuvor angekündigt, dass Israel eine "Sicherheitszone" im Südlibanon einrichten wolle, um die Hisbollah aus dem Gebiet zu vertreiben.

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert äußerte am Donnerstag den Wunsch nach einer deutschen Beteiligung an einer Friedenstruppe in der Region. "Ich habe Kanzlerin Angela Merkel mitgeteilt, dass wir absolut kein Problem haben mit deutschen Soldaten im Südlibanon", sagte Olmert der "Süddeutschen Zeitung". "Es gibt zurzeit keine Nation, die sich Israel gegenüber freundschaftlicher verhält als Deutschland (...) Ich wäre sehr glücklich darüber, wenn Deutschland sich beteiligte", bekräftigte Olmert. Als Grundvoraussetzung für den umstrittenen Einsatz deutscher Soldaten im Nahen Osten gilt die Anforderung der Deutschen durch Israel.

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